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Winter’s Bone: Kritik

Winter's BoneRegie: Debra Granik
Darsteller: Jennifer Lawrence, John Hawkes, Kevin Breznahan
USA/2010; Start: 31.3.2011

Mit Filmen wie diesem verhält es sich immer relativ gleich: Unabhängig und kostengünstig produziert, gelingt es einigen wenigen unter ihnen, von einem Festivalpublikum und der entsprechenden Kritik wahrgenommen zu werden, um dann die Erfolgstreppe hin zu den hiesigen Filmpreisverleihungen hinaufklettern zu dürfen. Es gibt sie jedes Jahr aufs Neue, in der Regel kommen sie aus Sundance. Meist werden sie dann als Perlen des amerikanischen Independent-Kinos gefeiert, ernten prominenten Zuspruch und garantieren gut besuchte Programmkinos. Wenn ein Low-Budget-Film wie WINTER’S BONE für verschiedene Oscars nominiert wird, steht er plötzlich neben Hollywood-Prestige-Produktionen wie THE KING’S SPEECH oder INCEPTION, hat es also von ganz unten nach ganz oben geschafft.

Seine irgendwann vielleicht einmal künstlerische Unabhängigkeit spielt dann keine Rolle mehr, weil er sich plötzlich dauerhaft in einem Umfeld kalkulierter Filme bewegt, die gedacht sind, ein breites Publikum mit verkleideten Konventionen zu erreichen, um diese nicht selten gewinnbringend in ihren Ansichten zu bestätigen. Einem Umfeld also, in dem Filme nicht selten funktionalisiert, für eine bestimmte Sache gedacht oder anderweitig kunstunfreundlich angelegt sind. Man ist geneigt daraus den Rückschluss zu ziehen, WINTER’S BONE gleiche sich den Gesetzen jenes Pseudo-Indie-Kinos an, wie es die großen Hollywoodstudios mit ihren Sub-Labels seit Jahren bedienen. Er mag nicht als solches konzipiert sein, aber er scheint dennoch die richtigen Knöpfe zu drücken, wenn ihm medienwirksame Unterstützung von Kathryn Bigelow erlaubt ist, er einen Preis nach dem anderen absahnt und natürlich auch ein 4-Sterne-Review von Roger Ebert erhält.

Winter'S Bone

Natürlich muss der Film deshalb keine Geistesverwandtschaft mit den radikal berechneten Mainstream-Arthaus-Produkten der Filmbosse pflegen. Und natürlich kann es einem „kleinen“ künstlerischen Film gelingen, dass seine Darsteller in schicken Abendkleidern über die Red Carpets Hollywoods marschieren, obwohl er sich so sehr unterscheidet von allem, was sonst den Markt bestimmt. Aber leider ist WINTER’S BONE eben doch ein Film der Mechanismen, ein sozialgewichtiger, trister und bitterer Film, der unterm Strich alles richtig machen und es gut meinen möchte. Egal wie schlimm die Geschichte eines 17jährigen Mädchens, das im amerikanischen Hinterland allein für seine zwei kleinen Geschwister aufkommen muss, auch sein mag: Aus dem Kino geht man irgendwie mit einem guten Gefühl. Die Schrecken der weißen Unterschicht werden wohl dosiert, mit Klischees verformt und durch Empathie goutierbar gemacht.

Winter's BoneNur so vielleicht kann ein solcher Film funktionieren – bei den Oscars ebenso wie bei Mutti, die mit ihrer besten Freundin einen Kinoabend mit Anspruch eingeplant hat. White Trash, aber bitte nur mit Happy End. Die bedenkliche Proportionalisierung bzw. Verfremdung, mit der dieser und vergleichbare Filme ihre Sujets bearbeiten, ist so wenig neu wie nun sonderlich aufregend. SLUMDOG MILLIONAIRE wurde zum Hit, weil selbst in Scheiße badende Kinder noch den in schmuckvolle Bilder gehüllten Spaß ihres Lebens hatten. Christian Bale gewann für THE FIGHTER einen Oscar, weil er sich erst energisch herunterspielt zum drogenabhängigen Unterschichtenboxer, um dann nach erfolgreichem Entzug wieder ein emotionales Gleichgewicht herstellen und normative Erwartungen erfüllen zu können. Jede Geschichte muss ihre Erfolge sicherstellen, ihr Mindestmaß an Entgegenkommen.

WINTER’S BONE ist nicht gänzlich misslungen, aber er betreibt mit vielen seiner Bilder die gleiche Ausstellung von Armut wie andere wohlfeine Sozialdramen. Er bedient einige schlimme Klischees, wenn Kinder in Hungernot Eichhörnchen häuten und verspeisen müssen, oder wenn die Protagonistin in die Fänge inzestuöser Hinterwäldler gerät. Das ist alles mehr als dick aufgetragen, auch wenn sich Regisseurin Debra Granik um leise Töne bemüht und auf allzu ausgespielte Sentimentalitäten verzichtet. Indem sie den Film nahe am Western mit einigen Thriller-Konventionen aufzieht (das 17jährige Mädchen sucht ihren verschwundenen kriminellen Vater, um Haus und Hof nicht zu verlieren), drängt sie die soziale Relevanz der Geschichte allerdings ebenso in die Beiläufigkeit wie die nach Authentizität buhlende Darstellung der weißen Unterschicht in Missouri. „Never ask for what ought to be offered“, heißt es zu Beginn – solche gemütlichen Weisheiten können sich nur Drehbücher erlauben.



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Autor:
Rajko Burchardt



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