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V/H/S – Kinokritik (FFF 2012)

Regie: David Bruckner, Glenn McQuaid, Radio Silence, Joe Swanberg, Ti West, Adam Wingard
Darsteller: Calvin Reeder, Lance Hughes, Adam Wingard
USA/2012

„Can a movie go too far?“ Diese als Suggestivfrage an das zahlende Publikum von anno dunnemals verkleidete Werbeaussage bezog sich freilich immer auf die gewalttätige Natur eines Films, der mit diesem Slogan erfolgreich vermarktet werden sollte. Der Episodenfilm V/H/S hingegen strapaziert die Sehgewohnheiten seiner Zuschauer nur in einer Hinsicht: als ein unmöglicher Magnetband-Schüttelmix, der unfreiwillig aufzeigt, wie schnell man über das gesteckte Ziel hinausschießen kann. Und die Riege der „American top genre filmmakers“ (Zitat auf imdb), die für V/H/S verantwortlich zeichnen, hätte gut daran getan, einen Stapel jener alten VHS-Kassetten aus vergangenen Zeiten zu durchwühlen, bevor sie mit diesem im Kollektiv hergestellten Werk auf nicht schon allzu breitgetretenen Pfaden wandert.

Dabei hätte alles so richtig gut werden können. Die Rahmenhandlung, wenn man sie so nennen mag, erzählt von einigen jungen Männern, die aus nicht näher erläuterten Gründen in ein scheinbar verlassenes Haus eindringen, um dort nach einem bestimmten Videoband zu suchen. Selbst mit einer Videokamera ausgerüstet, die jene Geschehnisse dieser Nacht festhält, finden sie in einem der leerstehenden und verwahrlosten Zimmer einen offenbar leblosen alten Mann, auf einem Polstersessel sitzend, vor ihm eine Mauer aus flimmernden Bildschirmen und einer Vielzahl angeschlossener Videogeräte. Die nächtlichen Eindringlinge werden die herumliegenden Kassetten, eine nach der anderen, in einen Videorekorder schieben und sehen, was auf den mysteriösen Bändern aufgenommen wurde. Das Gewebe, aus denen die nun folgenden einzelnen Kurzgeschichten entsponnen wurden, ist allemal eine Reflektion wert.

Drei weiße Jugendliche schleppen in einer Diskothek zwei Mädchen ab und bringen sie in eindeutiger Absicht nach Hause. Während eine der Frauen volltrunken einschläft, verhält sich die andere plötzlich höchst merkwürdig und offenbart bald ihren Durst auf menschliches Fleisch und Blut. Das folgende Schlachtfest aus nächster Nähe zu beobachten ermöglicht uns eine Kamerabrille, die einer der jungen Männer konsequent bis zum Schluß auf der Nase trägt.

Ein Pärchen begeht eine Urlaubsreise im Inland und steigt in der Nähe des Grand Canyon in einem heruntergekommenen Motel ab. Ihre täglichen Ausflüge filmen die beiden ebenso wie das Interieur des Hotelzimmers. Gleich in der ersten Nacht schleicht sich eine fremde Person in das Zimmer, greift nach der Kamera und filmt die beiden im Schlaf. Einer der stärksten Momente der gesamten Episode, weil die Intimsphäre der beiden Nichtsahnenden dadurch vollständig aufgebrochen wird, sie sind dem Creep’n Crawler ausgeliefert, der sich in dieser ersten Nacht noch mit einem ordentlichen Griff in die Geldbörse des Mannes begnügt. Nachts drauf jedoch geht der wiederkehrende Fremde ganz anders zu Werke, und das Ende offenbart eine überraschende Wendung in der Liebesbeziehung des Pärchens…

Episode drei wirkt visuell etwas moderater und ist zudem auf der Höhe der Zeit: Ein Paar, dem Anschein nach durch berufliche Gründe räumlich getrennt, führt eine Videokorrespondenz an ihren Laptop-Computern. Das Liebesgesäusel der beiden weicht schnell der Angst vor einer ernstzunehmenden Bedrohung. Im Appartement der jungen Frau kommt es nachts zu unheimlichen Vorfällen, die sich zunächst durch merkwürdige Geräusche äußern, dann durch einen Eindringling, der im spärlichen Licht der Webcam kurz aufblitzt. Unter logischen Aspekten mutet es merkwürdig an, dass ein digitaler Videochat nachträglich auf analogem Magnetband aufgespielt wurde, aber wer das Haar sucht, dem entgeht bekanntlich die Suppe. Hier ist echtes Gänsehautpotential vorhanden, über das unerwartete Ende soll daher auch nicht mehr preisgegeben werden.

Die vierte Geschichte möchte ich vor allem wegen ihrer beeindruckenden Soundeffekte hervorheben, die in dieser Intensität womöglich nur in einem Kinosaal erlebt werden können. Während die Story bedauerlicherweise einfallsloser nicht sein könnte: An einem See in einem Waldstück geschah vor Jahren ein Massenmord an Jugendlichen, der Täter wurde offenbar nie gefasst. Just dorthin verschlägt es eine Gruppe von feierlaunigen Jugendlichen.

In Episode fünf begeben sich drei junge Männer mit versteckter Kamera zu einer Halloween-Kostümparty und finden an ihrem Treffpunkt jedoch nur ein verlassenes Haus vor. Nichts deutet darauf hin, dass hier eine Fete stattfinden soll. Aus dem Dachgeschoß nehmen sie plötzlich Stimmen wahr und begeben sich dort hinauf. Was sie zunächst für einen Jux halten, erweist sich schnell als eine Art Exorzismus an einem gefesselten jungen Mädchen, das von einer Gruppe von Männer unter allerlei Geschrei drangsaliert wird. In einem Anflug von Heldenmut vermöbeln sie die Anwesenden und befreien das Mädchen, was sie wohl lieber nicht hätten tun sollen.

Der Reiz, den found-footage-Filme einst hatten, ist längst verblichen. Negativbeispiele wie BLAIR WITCH PROJECT oder die PARANORMAL ACTIVITY-Reihe haben zunichte gemacht, was bei CANNIBAL HOLOCAUST, TESIS oder MAN BITES DOG einmal als frischer Wind im Genrefilm punkten konnte. War es nicht die ursprüngliche Intention, dem Filmpublikum dokumentarische Authentizität zu vermitteln und somit den Spannungsbogen länger zu ziehen, als dies ohne eine Film-im-Film Montage und point-of-view Perspektiven möglich gewesen wäre? Wenn ja, dann hat V/H/S schon fast verloren, und zwar durchgängig. Die einzelnen Geschichten hätten nämlich auch ganz ohne die bis ins Unerträgliche übersteigerten, wackeligen Handkamerafahrten prima umgesetzt werden können, so oder so. Es sind zuallererst Genrezitate: von TEARS OF KALI und FRIDAY THE 13th über THE ADDICTION und CUTTING MOMENTS, sogar ein bißchen Jean Cocteau blitzt in der abschließenden Geschichte einmal kurz hervor. Wenngleich nur Zitate, so war Potential von Anfang an da, und das sollte dem Gesamtwerk auch nicht abgesprochen werden. Von welchem kleinen grünen Kobold die Macher allerdings bessessen waren, ihn in ein so ärgerliches optisches Kleid zu verpacken, bleibt rätselhaft. Originalität um jeden Preis? Könnte man hinnehmen, wenn es denn tatsächlich originell wäre.



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Autor:
Florian Resch



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