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Vampire: Kritik (Berlinale)

Regie: Shunji Iwai
Darsteller: Kevin Zegers, Amanda Plummer, Rachael Leigh Cook,
USA,J/2011

VampireEin Blick ins Berlinaleprogramm. Was klingt interessant, was wird man eventuell nur hier und sonst vielleicht nie wieder auf der großen Leinwand sehen können, was muss man unter Pflichtbesuch verbuchen. VAMPIRE, der erste in den USA produzierte Film des japanischen Regisseurs Shunji Iwai (ALL ABOUT LILY CHOU-CHOU), erfüllt eigentlich alle Kriterien. Obwohl Inhaltsangaben, die mit „Simon Wade ist ein ganz normaler junger Mann“ beginnen, zugegeben schon mal reichlich unsexy klingen, aber Inhalte werden ja gelegentlich auch arg überbewertet. Die schönsten Berlinalefilme sind in der Regel sowieso diejenigen mit Form oder auch Formverweigerung. Mit Leidenschaft, Freude am Filmischen, am Gestalten. So viel gebündeltes Fabulieren, so viel Exzess gibt es schließlich nur auf Filmfestivals. Schön!

Nun: Simon Wade (Kevin Zegers) ist also ein ganz normaler junger Mann. Bis auf den Umstand, dass er sich in Internetforen auf die Suche nach potentiellen Selbst- mörderinnen begibt, um ihnen den geplanten Freitod schmackhafter zu machen. Denn Simon ist ein Vampir, aber einer mit besonders großem Herz, deshalb möchte er nicht konkret töten, sondern ohnehin sterbewilligen Menschen das Blut abzapfen. Sonst aber ist er tatsächlich recht normal: Seine demenzkranke Mutter (Amanda Plummer) pflegt er recht skurril, aber dennoch liebevoll, und seinem Job als Biologielehrer (unglaubwürdig hoch zehn) geht er gewissenhaft nach. Nur die beharrliche Laura (Rachael Leigh Cook) nervt ihn ein wenig.

Vampire

Obwohl VAMPIRE einige starke Momente hat, mitunter eindrucksvolle, unkonventionelle Bilder findet, und die moderne Blutsaugermär ähnlich wie George Romeros MARTIN einfühlsam und melancholisch vertont, kommt der Film nie auf den Punkt. Seinen schwerfälligen Rhythmus mag man noch unter Stil vermerken, insgesamt aber macht Iwais US-Debüt einen komplett planlosen Eindruck. Die immens unsichere Schauspielführung ist womöglich der Sprachbarriere geschuldet (im an die Vorführung anschließenden Q&A hatte der Regisseur Probleme, auch nur einen einzigen Satz auf Englisch zu formulieren) und sicher nicht unbedingt problematisch, doch die wirklich enorm prätentiöse Inszenierung – inklusive eines mehr als kuriosen Epilogs, in dem ein Mädchen mit Luftballon auf einer Tiefkühltruhe tanzt – strapaziert das Sitzfleisch nachhaltig.

Und dann drängelte er sich irgendwann vor, der meines Erachtens ja eigentlich viel zu inflationär und abschätzig genutzte Arty-Farty-Begriff. Er wurde erfunden für Filme wie VAMPIRE. So trostlos das Leben eines Vampirs (oder als Metapher verstanden: eines einsamen Jungen) auch sein mag, dieser Film ist noch tausendmal trostloser! Ich habe sogar einmal das Kino zum Rauchen verlassen vor lauter innerlicher Unruhe, etwas, das ich sonst nie tue! Und irgendwann begann ich schließlich, mir gewisse Unterhaltungswerte zu besorgen. Rechts neben mir saß ein guter Freund, den der Film (Zitat) „intellektuell gekitzelt“, also eher begeistert hat, was ich interessant fand. Links neben mir nahm eine Japanerin platz, die mir schon bei Filmbeginn negativ auffiel, weil sie laut schmatzend eine Asia-Nudelbox verköstigte, und sich im weiteren Verlauf der sehr langen 120 Minuten mit einem selbst gebauten Fächer abzukühlen versuchte, mehrmals hektisch das iPhone zückte und permanent undefinierbare Selbstgespräche führte. Das war nicht uninteressant, aber schöner wäre es gewesen, hätte der Film derlei Aufmerksamkeit von mir gefordert.



Mit bestem Dank an From Beyond

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Autor:
Rajko Burchardt



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