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Showgirls: BD-Kritik und Interview mit Jost Vacano

ShowgirlsRegie: Paul Verhoeven
Darsteller: Elizabeth Berkley, Gina Gershon, Kyle MacLachlan
USA/1995; Start 06/2010 (NL)

Die Geschichte vom amerikanischen Traum. ROCKY im Stripclub-Milieu. Irgendwo zwischen der glitzernden Welt des Ruhms und der dunklen Gosse.

Es war Mitte der 90er: Paul Verhoeven war in den Jahren zuvor zu einem der coolsten Protagonisten unter den europäischen Regisseuren in Hollywood mutiert, hatte mit ROBOCOP, TOTAL RECALL und BASIC INSTINCT eine wirklich astreine Reihe abgeliefert und dann kam das. Das prüde Amerika schrie auf, das europäische Feuilleton war gespalten -doch zumeist negativ beeindruckt- und die Zuschauer kümmerten sich nicht weiter um SHOWGIRLS. Erotisch ging es zu, „Porno“ schrien die USA und überschlugen sich dabei mit ihrer christlich-fundamentalistischen Stimme, die über die Frontalansicht der Schamhaare Elisabeth Berkleys geiferte. „Goldene Himbeeren“ regneten vom Himmel – das Debakel war perfekt. Und dabei hatten die Por-NO!-Kritiker doch nur verkannt, dass hier mal wieder schlicht die Geschichte vom amerikanischen Traum und seinem Preis erzählt wurde.

Der Plot: Scheitern. Und dann wieder aufstehen bis man es endlich geschafft hat. Das ist auch das Credo von Nomi Malone. Und deswegen zieht es sie nach Las Vegas, wo die sexy Tänzerin in einer der spektakulären Groß-Shows der Stadt zum Zug kommen möchte. Doch zunächst winkt nur ein Job in einem billigen Striplokal. Die Chance für Nomi lauert allerdings um die Ecke im Stardust, einer der ersten Adressen in Vegas – und Cristal Connors, der Star des Tanzensembles, hat bereits ein Auge auf Nomi geworfen. Intrigen, Liebschaften und viel nackte Haut sind in der Folge die Plotlines von SHOWGIRLS. Und die klare Erkenntnis, dass in der Stadt der Spieler nur die zum Zuge kommen, die mitspielen. „We do what we do in Vegas – we gamble.“ Das ist das zentrale Zitat und der Grundtenor des Films.

Showgirls

SHOWGIRLS ist eigentlich nur eine weitere Variation des amerikanischen Films vom steinigen Weg und steht in einer Reihe mit CITIZEN KANE, ROCKY, RAGING BULL, STAYING ALIVE, FLASHDANCE oder FORREST GUMP. Kontrovers macht ihn lediglich die nackte Haut, die zum Interieur von Stripschuppen gehört wie die Veilchen zum Gesicht des Boxers. Doch nach über 15 Jahren wirkt auch der Softcore-Flair reichlich harmlos – in der Ära des Porn-Chics und von Youporn ist die „Full Frontal Nudity“ von SHOWGIRLS altbekannt.

Und deshalb hat der Film auch die Chance im Jahr 2011 , nach einer globalen Finanzkrise, das zu zeigen, was er wirklich kann: Denn hinter dem ganzen altbackenen Skandal steht ein schöner Film mit guten und erotischen Schauspielern, der die Konflikte auf dem Weg zum Erfolg beschreibt und hinterfragt. Der zeigt, dass alle, die Erfolg um jeden Preis wollen, diesen Preis auch zahlen müssen, das Spieler auch verlieren können. Wer das einmal erkannt hat, hat die Wahl. Und so zieht sich auch Nomi am Ende aus der glitzernden Stadt der SHOWGIRLS zurück. Ein Ende, dem ein wunderbarer Neuanfang innewohnt.

Showgirls

Im folgenden Interview erinnert sich Jost Vacano, der deutsche Kameramann von SHOWGIRLS, der unter anderem auch für die brillanten Bilder von ROBOCOP, STARSHIP TROOPERS oder DAS BOOT verantwortlich ist, für Reihe Sieben an die Produktion und Rezeption von SHOWGIRLS:

Jost Vacano

Jost Vacano

Herr Vacano, SHOWGIRLS ist inzwischen 16 Jahre alt. Der Film floppte im Kino und bei den Kritikern, wurde danach aber im Videoumfeld zu einem Hit. Wie ist ihre Erinnerung an die Rezeptionsgeschichte?
Zunächst einmal erinnere ich mich an meine eigene Reaktion, als ich das Drehbuch in die Hand bekam. Ich war erstaunt und fragte Paul Verhoeven, was das denn werden solle, denn ich war richtiggehend erschrocken, als ich das Buch von Joe Eszterhas zum ersten Mal gelesen habe. Aber Paul meinte, er verlasse sich da auf Eszterhas, der sei schließlich Amerikaner. Und auch bei BASIC INSTINCT hatte er als Autor –trotz Kontroverse– ja richtig gelegen. Und so fingen wir also an mit dem Dreh. Als Kameramann waren die Elemente Tanz, Bewegung, Las Vegas, Licht natürlich spannend. Und Paul und ich hatten großen Spaß; jedenfalls so lange, bis der Film in die Kinos kam. Denn da wurden wir dann mit den Fehlkalkulationen konfrontiert.

Und die waren?
Es ist die Geschichte eines Mädchens, das sich durch die Betten schläft. Hätte man das mit einer anerkannten Schauspielerin besetzt, dann wäre auch der Film akzeptabel gewesen. Aber das ging nicht, weil keine bereit war, diese Rolle zu spielen. „Full frontal nudity“ ist in den USA einfach die absolute Schamgrenze. Oben ohne machen mittlerweile alle, aber unten ohne, das ist einfach nicht drin. Also spielte schließlich Elizabeth Berkley die Hauptrolle, eine Jungdarstellerin, die vorher in ein paar Fernsehserien aufgetreten war und die erstens gut aussah, die zweitens bereit war, sechs Monate lang das Tanzen zu trainieren und die drittens kein Problem hatte, sich auszuziehen. Die Kritiker waren deshalb ganz schnell dabei, sie als Schauspielerin mit der gespielten Rolle zu verwechseln. Denn gute Schauspielerinnen würden so etwas ja nicht spielen. Die andere Geschichte war das Missverständnis des Stoffes. Und das Missverständnis, dass Las Vegas in den USA ja sehr beliebt ist, dass ganze Familienausflüge dahin organisiert werden, um ein wenig verrucht zu sein. Aber was wir nicht einkalkuliert hatten: Dass es etwas anderes ist, wenn das auf einmal im Kino läuft, am besten in der Nachbarschaft der Kirche, in die man sonntags immer geht. Denn dann ist das alles natürlich „igitt“. Das Exotische vor der eigenen Haustür, obwohl das alle kennen und gerne auch mal in Form eines Ausflugs erleben, das hat die Leute eindeutig verschreckt.

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Das heißt aber auch, dass er vielleicht gerade aus diesem Grund auf Video im Anschluss sehr erfolgreich wurde.
Natürlich. Denn da sieht der Nachbar ja nicht, dass man ihn angeschaut hat. Eine andere Rolle spielte sicherlich für die Kinoauswertung auch das Rating. Unter 17 durfte keiner ohne Ausweiskontrolle rein. Und in den USA bedeutet dieses Rating eben auch, dass große Zeitschriften und Zeitungen keine Anzeigen für den Film annahmen. Denn Anzeigen für Filme „aus der Pornoschiene“, die gibt es schließlich in anständigen Zeitungen nicht. Es fehlte eben die Präsenz beim Kinostart. Es gab viele Faktoren.

Es lag also vor allem an der Oberfläche des Films, für die Sie ja auch maßgeblich als Kameramann verantwortlich waren. Denn eigentlich erzählt der Film ja eine uramerikanische Geschichte. Aber zurück zur Oberfläche: Der Film ist auf der Bildebene durchaus schillernd. Welche Erinnerungen haben Sie als Kameramann daran?
In Las Vegas wird es nie dunkel. Es ist eine Welt, die Tag und Nacht leuchtet. Und für mich als visuellen Menschen ist Las Vegas Farbe, es ist Licht, es ist Bewegung, es ist Tanz und das Spiel, das Gambling. Das ist auch ein wichtiger Faktor, denn der ganze Film ist ein einziges Gambling. Und was man im Kino sieht, das ist eben primär Oberfläche. Was zwischen den Zeilen steht, das ist Regie, das ist Drehbuch, das ist für Zuschauer schwieriger zu verstehen. Dabei fällt mir ein, dass ein weiterer oberflächlicherer Faktor für den Misserfolg des Films natürlich auch noch war, dass neben der Hauptdarstellerin auch sonst keine großen Stars zu sehen waren. Das ist in den USA aber sehr wichtig, sowohl im Business, als auch für die Zuschauer. Auch als Kameramann habe ich das oft erlebt. In Europa wurde ich immer gefragt, wer denn der Regisseur meines nächsten Films sein würde. In den USA hieß die Frage immer: „Oh, who’s in it?“. Und es war eben niemand dabei, den die Leute wirklich kannten.

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Wenn ich jetzt an die vorherigen Filme denke, die Sie mit Paul Verhoeven gemacht haben, waren da auch nicht wirklich große Stars dabei. ROBOCOP beispielsweise – und Sharon Stone wurde auch erst durch TOTAL RECALL und BASIC INSTINCT bekannt. Die anderen Filme gingen auch oft an die Grenzen, gerade in Sachen Gewalt.
Ja, schon. Aber Gewalt ist in den USA eben positiv besetzt. Mit Gewalt wurde der Kontinent erobert. Deshalb gibt es das Waffenproblem in den USA, weil die Vorväter mit der Waffe in der Hand das Land besiedelt haben. Sex ist ein ganz anderes Thema. Das kommt aus der bigotten und religiösen Ecke. Vielleicht könnte man sogar sagen, dass das Gewaltthema dadurch kaschiert wird, dass man in Sachen Sexualität ganz besonders moralisch tut.

Die ganze Debatte um SHOWGIRLS ist nun anderthalb Jahrzehnte her. Wie sehen Sie den Film heute? Welche Rolle spielte er im Anschluss für Ihre Karriere?
Meine heutige Sicht ist nach wie vor eine sehr positive. Ich denke sehr gerne an SHOWGIRLS zurück. Ich zeige bis heute Teile aus dem Film an Filmhochschulen – ich denke, ich muss mich für ihn nicht schämen. Aber ich war natürlich in Sachen Karriere erst einmal in einer Schublade. Es hieß schnell: „Oh, Jost, he is good for nudity!“ Und so bekam ich als nächstes Angebot eine Anfrage für STRIPTEASE mit Demi Moore. Den habe ich dann aber nicht gemacht; ich wollte schließlich nicht den Rest meiner Karriere als Fleischbeschauer verbringen. Da sieht man auch, wie diese Industrie funktioniert. Es zeigte auch, dass das Genre per se nicht beschädigt wurde. Und am Erfolg von STRIPTEASE hat man dann auch gesehen, dass so etwas durchaus funktionieren kann, wenn eben eine anerkanntere Darstellerin auf der Leinwand agiert. Da wurde nichts verrissen.

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Bei Verriss fällt mir ein, dass SHOWGIRLS diverse Auszeichnungen als schlechtester Film des Jahres, des Jahrzehnts oder sogar aller Zeiten bekommen hat.
Ja, spannend war die Verleihung der „Goldenen Himbeere“. Er bekam die Auszeichnung für den schlechtesten Film, das schlechteste Drehbuch, den schlechtesten Regisseur, die schlechteste Hauptdarstellerin. Und dann passierte etwas, das in der Geschichte der Himbeeren glaube ich noch nie passiert war: Paul Verhoeven kam zur Veranstaltung und nahm den Preis persönlich entgegen. Er erzählte dort auch noch, dass Sex und Gewalt die Hauptantriebe des menschlichen Lebens seien. Dass seine Themen der Grund gewesen seien, dass er seine Heimat in Richtung Amerika verlassen habe. Und dass die jetzt aufbrandende Kritik eigentlich einen schönen Ringschluss bilden würden: jetzt fühle er sich auch in den USA endlich zuhause. Er war einfach immer sehr offensiv.

Jetzt ist SHOWGIRLS als Blu-Ray erhältlich. Wie sehen Sie das Format aus Sicht eines Filmschaffenden?
Man muss Blu-Ray immer in Verbindung mit dem restlichen Equipment sehen. Auf einem alten Röhrenfernseher bringt das ja nichts. Auf einem schönen Flachbildschirm ist Blu-Ray allerdings eine tolle Sache und kommt dem recht nah, was der Film einmal auf der Leinwand darstellte. Das hängt natürlich immer vom Master ab. Aber ich freue mich natürlich immer, wenn ich den Film so sehen kann, wie ich ihn gemacht habe. Das Kino ist natürlich eine andere Sache, aber für die Rezeption zuhause ist Blu-Ray schon sehr sehr gut. Gut jetzt kommt auch noch 3D. Das hätte auch zu SHOWGIRLS gepasst.

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Die Blu-Ray (NL): (Bestellen bei Amazon.co.uk)
Die Blu-ray aus den Niederlanden kommt als „15th Anniversary Sinsational Edition“ / Uncut daher. Mit tollem Bild, der den Film erstmals im Heimkino so schillern lässt, wie er vor 15 Jahren auf die Leinwand kam. Leider bietet die niederländische Fassung mit 132 Minuten Länge keinerlei Extras – sie ist aber bis heute die einzig verfügbare europäische Blu-Ray-Edition.




5 Antworten zu “Showgirls: BD-Kritik und Interview mit Jost Vacano”

  1. Sylvio sagt:

    Wie jetzt? DSDS steht nicht neben dem suchenden Bauern aufm Abendprogramm der Familie Beck? Jetzt bin ich platt wie ’ne Flunder.
    Ansonsten, sehr schönes Interview!

  2. Martin Beck sagt:

    Landauf landab: Das ist mir wurscht. Dann müsste ich auch gebannt bei DSDS zuschauen.

    Und Paule ist für mich der absolute Meister, was die Ausreizung von Themen angeht. Das mag tatsächlich auch mal too much sein, aber mir ist das immer noch tausendmal lieber als ständig die Handbremse im Visier zu haben.

    Und Zynismus halte ich Verhoeven zugute, das ist in seiner Form wesentlich „ehrlicher“ als z.B. der Patriotismus von Michael Bay oder die Keuschheit der TWILIGHT-Deppen.

  3. Sebastian sagt:

    Bin kein besonderer Freund von Verhoeven, und gerade SHOWGIRLS zeigt doch ganz deutlich das Problem seiner Filme: Ab einem gewissen Punkt geht diese Überspitzung eben nicht mehr als Satire durch, sondern wird zu genau dem, was sie eigentlich zu kritisieren versucht. Es verträgt sich in meinen Augen nicht wirklich, zwar einerseits ein schmieriges Business in all seiner Inhumanität und Oberflächlichkeit vorzuführen, gleichzeitig aber die gleichen Mechanismen zu bedienen – die Dichte an Softcore-Elementen ist derartig groß, dass sie jegliche (vielleicht intendierte) inhaltliche oder satirische Relevanz verlieren, sondern zunehmend redundant und selbstzweckhaft wirken – das der Film landauf, landab in erster Linie als Softcore-Streifen rezipiert wurde, mag ihm zwar nicht ganz gerecht werden, kommt aber sicher nicht von ungefähr.

  4. Martin Beck sagt:

    Die „offensive“ Inszenierung unterstützt ungemein – wie immer bei Mr. Verhoeven. Und ne, „planlos“ ist eines der wenigen Adjektive, die auf den Mann nu überhaupt nicht passen.

    Ich würde sogar sagen, dass kaum ein anderer Regisseur so präzise und zielstrebig seinen Weg geht wie er – inklusve SHOWGIRLS, der bis zum letzten Bild sein Thema bei den rasierten Eiern hat.

  5. Sebastian sagt:

    Sehr schöner Text und ein interessantes Interview. Bis heute ein allgemein stark unterschätzter Film, dessen branchenkritische Ansätze bisweilen aber etwas unter der offensiven und manchmal leider auch planlosen Inszenierung zu leiden haben.

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Autor:
Björn Eichstädt



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