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N’Guten aus der Videogruft: Trail of Blood

Auf DVD und Blu-Ray gibt es vieles, aber längst noch nicht alles. Reihe Sieben wühlt gerne in staubigen Videokassetten-Stapeln und fördert dabei wilde, durchgeknallte & obskure Perlen zutage. Sie alle hätten wirklich mal eine silberne Scheibe verdient, doch liegen momentan noch begraben: in der Videogruft.

Trail of bloodRegie: Ari Roussimoff
Darsteller: Matthew Courtney, Madonna Chavez, David Huberman
USA/1996

Ein ambitionierter Nachzügler des Cinema of Transgression: Maler, Schauspieler und Filmemacher Ari Roussimoff beschäftigte sich jahrelang mit der filmischen Umsetzung einer unheimlichen und bis zum Drehschluss ungelösten Mordserie: derer des „Green River Killers“. Obwohl das Ergebnis sogar der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ einer Erwähnung wert war, wartet man bis heute auf eine Auswertung auf dem internationalen Heimkinomarkt.

Die Realität: Nachdem ab 1982 im Washingtoner Green River die sterblichen Überreste von gewaltsam getöteten Frauen aufgefunden wurden und alle Indizien auf das Werk eines Serienmörders hindeuteten, gaben die Behörden dem unbekannten Täter den Namen „Green River Killer“. Seine Opfer waren vorwiegend Mädchen und Frauen aus dem Rotlichtmilieu. Geschnappt werden konnte dieser Phantom-Mörder bis zur Fertigstellung von TRAIL OF BLOOD nicht – die Ermittlungen führten die Polizei von der Ostküste bis hinüber nach Kalifornien und sogar nach Mexiko.

Seit 2003 nun sitzt Gary Ridgway, Jahrgang 1949, ein als schüchtern und unscheinbar charakterisierter Durchschnittsbürger, in einem Gefängnis in Washington und verbüßt dort eine lebenslange Haftstrafe für 49 Morde, die ihm zur Last gelegt wurden und ihn als den gesuchten „Green River Killer“ überführten. Ridgway ließ während der Verhöre und auch vor Gericht verlauten, dass er sich ob der großen Menge an ermordeten Opfern nicht mehr an die tatsächliche Zahl erinnern könne. Auch stellte er immer wieder klar, dass Prostituierte für ihn „menschlichen Abfall“ und „Wertlosigkeit“ verkörperten, daher hielt und hält er das Auslöschen derer Leben für nichts grundsätzlich Falsches. Die jahrelangen Mutmaßungen über die Identität des Täters und die schwierigen Untersuchungen ließen vor Ridgways Verhaftung Parallelen zum „Zodiac Killers“ erahnen, was natürlich reichlich Stoff für dramaturgische Verarbeitungen des Falles lieferte.

Trail of blood

David Huberman

TRAIL OF BLOOD, der geraume Zeit nach der europäischen Veröffentlichung von John McNaughtons HENRY, PORTRAIT OF A SERIAL KILLER angepriesen wurde, ließ die Erwartungen überall hochschnellen. Erstens war da ein Regisseur, den man zuvor in einem Atemzug mit Nick Zedd und Richard Kern nannte und eben dem New York Cinema of Transgression zuordnete, und zweitens bedeutete genau diese Stellung Roussimoffs eine vielversprechende Voraussetzung, dass man es mit einem kompromisslosen Serienmörderfilm ganz in der Tradition von HENRY zu tun bekommen könnte.

Das vollendete Werk jedoch ernüchtert ein wenig, und das mag nicht nur daran liegen, dass TRAIL OF BLOOD, der zum Teil an den Original-Leichenfundorten gedreht wurde, schon etwas Staub angesetzt hat. Die Charakterzeichnung des Mörders (David Huberman) überzeugt zwar hinsichtlich der stoischen, menschenscheuen Art, und auch die übrigen Darsteller, vor allem die Polizisten, wirken spontan und „echt“, was Nähen zu größeren Independent-Produktionen wie STREET TRASH erzeugt. Störend jedoch wirkt sich die Verwendung des Video-Formats aus, das angesichts seiner blassen Farben und harten Konturen lediglich durch einen soliden Schwarzwert überzeugt und dem Zuseher nur hin und wieder nicht das Gefühl gibt, einen dieser ärgerlichen deutschen Amateurfilme vor sich zu haben.

Die Musik von John Morace ist zuweilen passend und originell, driftet leider oft in Synthie-Konservenmuzak ab, die in jedem drittklassigen Porno schon als störend empfunden werden würde. Einer der dennoch oft eingestreuten Lichtblicke ist die Offenherzigkeit der weiblichen Darsteller, die in ihren Rollen recht gut überzeugen können. Mit ihnen steht und fällt die Qualiät dieses Films, der mit Gastauftritten der Ikonen Joe Coleman und William Kotzwinkle heraussticht, welche als True-Crime-Experten tief in die Seele des Sexualmörders blicken; und dem des sympathisch-übertrieben agierenden New Yorker Aktionskünstlers Copernicus in der Rolle eines Politikers, welchem das Schicksal der Huren völlig gleichgültig ist und die Existenz eines Serienkillers eigentlich nur als kosmetischen Makel in „seiner“ Stadt sieht.

Trail of bloodRoussimoffs Film, der vor seiner Fertigstellung auch hierzulande und in der Schweiz gefördert und gefeiert wurde, geriet schon in Vergessenheit, ehe ihm eine verdiente internationale Veröffentlichung zuteil werden konnte. Der Verlag Memoria Pulp in Überlingen verschaffte Roussimoff ca. 1993 eine bemerkenswerte Publicity mithilfe eines eigens hergestellten, zweisprachigen Magazins und dem Verkauf von T-Shirts. Bis heute jedoch fristet der Film ein Dasein als relativ seltenes Ex-Rental aus Amerika und wird gelegentlich per Internet-Auktionen zu Sammlerpreisen gehandelt.

Erstaunlicherweise findet TRAIL OF BLOOD keine Erwähnung in der Filmografie des Regisseurs. Sein Netzauftritt www.roussimoff.com scheint seit Jahren nicht mehr aktualisiert worden zu sein, ein Besuch dort lohnt aber dennoch wegen der Bildergalerie mit ihren zahlreichen Gemälden, die Roussimoff während der letzten Jahre fertiggestellt hat. Hierin findet seine andere Leidenschaft Ausdruck: die Beschäftigung mit russischer und jüdischer Geschichte, sowie mit menschlichen Abnormitäten und Freimaurer-Bünden in Russland und Amerika.



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Autor:
Florian Resch



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