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N’Guten aus der Videogruft: Ich habe Angst

Auf DVD und Blu-Ray gibt es vieles, aber längst noch nicht alles. Reihe Sieben wühlt gerne in staubigen Videokassetten-Stapeln und fördert dabei wilde, durchgeknallte & obskure Perlen zutage. Sie alle hätten wirklich eine silberne Scheibe verdient, doch liegen sie momentan noch begraben: in der Videogruft.

Regie: Damiano Damiani
Darsteller: Gian Maria Volonte, Erland Josephson, Mario Adorf
Originaltitel: Io ho paura, Italien/1977
US-DVD: I am afraid / Französische DVD: Un juge en danger

Brigadier Ludovico Graziano (Gian Maria Volonte) ist ein einfacher und kleiner Beamter, der nach dem ebenso blutigen wie tödlichen Anschlag auf einen Richter, dem prinzipientreuen, aber eher unwichtigen Untersuchungsrichter Cancedda (Erland Josephson) als neuer Leibwächter zugeteilt wird. Durch Zufall kommt Cancedda einem politischen Komplott auf die Spur und gerät damit selbst ins Visier der Drahtzieher. Graziano überlebt einen Anschlag Leben schwerverletzt und beginnt sich zu wehren. Sich selbst auf der Todesliste wissend, spielt er die, die ihn töten wollen, nunmehr gegeneinander aus.

Die Story von ICH HABE ANGST mag einem bekannt vorkommen, doch vor dem historischen Hintergrund der politisch-motivierten Unruhen Anfang und Mitte der 1970er in Italien erhält sie ihren eigentlichen Spin: Es war 1970, als in Mailand die kommunistische Untergrundorganisation „Die roten Brigaden“ gegründet wurde, auf deren Konto Mordanschläge, organisierte Entführungen und Banküberfälle gingen. So verübten die Brigaden unter anderem 1976 einen exakt geplanten Mordanschlag auf den Genueser Staatsanwalt Francesco Coco. Ein Akt, der sich mit dem Ziel, den Staatsapparat in die Knie zu zwingen, als bewusste Eskalation der Gewalt darstellte.

Der italienische Drehbuchautor und Regisseur Damiano Damiani, der sich bereits in jungen Jahren selbst politisch betätigte, legte in ICH HABE ANGST wie in all seinen weiteren Filmen immer wieder höchsten Wert darauf die Verflechtung von Politik und Mafia detailgetreu herauszuarbeiten, da es in seinen Augen damals keine Trennung zwischen dem vermeintlich Guten und Bösen gab. Und obwohl es in ICH HABE ANGST keine konkreten Verweise auf die damaligen Ereignisse gibt, traf Damiani den Nerv der Zeit. Die Angst, die aufgrund der brutalen Anschläge allgegenwärtig war, transportierte er auch in seinem Film, der als bester Beitrag des italienischen Politthriller-Genres gilt.

Einen großen Anteil daran hat Gian Maria Volonte (u.a. FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR und VON ANGESICHT ZU ANGESICHT). In seiner Rolle als Brigadier Graziano trägt er die Geschichte nicht nur, er bleibt dabei auch authentisch und verzichtet auf die Härte, die man von heutigen Ermittlern zu kennen glaubt. Sein Graziano ist ein einfacher Mann und Polizist, der kein Held sein und nur seine Ruhe haben will. Denn der Tod, der in Damianis Werk ohne Vorwarnung eintreten kann, ist nicht seins: „Schreiben sie in den Bericht, Brigadier Graziano hatte zu jenem Zeitpunkt und bei diesem Einsatz Angst. So einfach ist das.“

„Sie suchen die Gerechtigkeit – so wie ich“

Nachdem bereits in der Eingangssequenz die skrupellose Hinrichtung eines Richters und seines Leibwächters zu sehen ist, erscheint die Versetzung Grazianos zum älteren Untersuchungsrichter Cancedda wie eine Erlösung für den Brigadier. Damiani, der seine Actionsequenzen sehr sparsam, dafür aber kurz und erbarmungslos einsetzt, lässt sich nun viel Zeit für die Entwicklung der Beziehung der beiden Protagonisten. Geschickt schafft es der Regisseur, dass Beschützter und Beschützer langsam die Ebene der Angst verlassen und auf der nächsthöheren Ebene des gegenseitigen Vertrauens ankommen. Als sie dann einer großen Verschwörung auf die Spur kommen, sind sie schließlich aufeinander angewiesen, denn sie können nur noch einander vertrauen. Doch Vertrauen allein schützt nicht vor dem Tod.

Mit dem Anschlag auf Graziano läutet Damiani die zweite Hälfte der Geschichte ein. Aus Graziano, dem zaghaften, gebückten Zauderer, wird nun der kombinierende und handelnde Ermittler. Wer jetzt aber einen knallharten Actionhelden erwartet, liegt falsch. Volonte bleibt dem Charakter seiner Figur treu und tut alles, vom vorsichtigen Herantasten an die Hintermänner bis zu ihrem Ausspielen, nur aus einem einzigen Grund: Überleben. Gerade diese Sequenzen sind es, die die schauspielerische Stärke Volontes nochmals unterstreichen und dafür sorgen, dass der Zuschauer seine Angst nicht nur spüren, sondern auch mit ihm leiden kann.




Eine Antwort zu “N’Guten aus der Videogruft: Ich habe Angst”

  1. Michael Raab sagt:

    Ohne jetzt Werbung für diesen Film machen zu wollen, aber DER hätte wirklich eine DVD Veröffentlichung verdient. Dies ist der absolut beste Film von Damiani.

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Autor:
Michael Raab



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