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Les Lyonnais – Kinokritik (FFF 2012)

Regie: Olivier Marchal
Darsteller: Gerard Lenvin, Tchéky Karyo, Valeria Cavalli
Frankreich, Belgien/2011

Wie sähe es aus, wenn europäische Gangster- und Polizeifilme der glorreichen siebziger Jahre mit den heute zur Verfügung stehenden Mittel eine Renaissance erleben würden? Wenn Ikonen wie Umberto Lenzi oder Enzo Girolami ihren oft brutalen, aber immer ehrlichen Leinwandhelden eine zweite Chance geben könnten? Schauspieler, Drehbuchautor und Filmemacher Olivier Marchal zeigt es uns mit diesem seinem siebten Film seiner Karriere als Regisseur. LES LYONNAIS ist zum einen das auf Fakten basierende Porträt des legendären französischen Gangsters Edmonde Vidal, genannt Momon; zum anderen eine fiktive Erzählung über den Lebensabend eines gealterten Ganoven aus dem französischen Zigeunermilieu und seinen eingeschworenen Blutsbrüdern, die allesamt von ihrer Vergangenheit eingeholt werden. Die Zutaten hierfür sind gleichzeitig Garanten für einen äußerst adrenalin- und testosteronpumpenden Kriminalfilm, der zur Abwechslung einmal richtige Männer vorführt und keine muskelbeknackten, ehemaligen Actionhelden im Rentenalter.

Momon Vidal (Gerard Lenvin) ist Anfang 60. Er hat sich zur Ruhe gesetzt, genießt das Luxusleben mit seiner Familie und den Freunden und Verwandten seines Stammes. Seine Leben und das seiner Leute scheint in trockenen Tüchern, bist er just am Tage der Heiligen Taufe seines jüngsten Enkelkindes davon unterrichtet wird, daß sein lebenslanger Komplize Serge Suttel (Tchéky Karyo) nach jahrelanger Fahndung von der Polizei verhaftet wurde. Ein Gefängnisaufenthalt wäre der sichere Tod für Serge, mit dem Zerbib, der Anführer einer verfeindeten Zigeunerbande, eine kapitale Rechnung offen hat. Zerbibs Kontakte in die Hochsicherheitsgefängnisse sind zu gut, um Serge den übrigen Insassen auszuliefern. Daher strebt Momon, der dem aktiven Verbrecherleben zugunsten seiner Familie den Rücken zugekehrt hat, eine diplomatische Lösung an, um Serge wenigstens in Einzelhaft zu wissen, isoliert von den anderen Häftlingen. Sein Plan geht schief, ein einer Splittergruppe seiner Bande angehöriges Kommando befreit Serge in einem gewaltigen Kugelhagel, bei dem mehrere Polizisten und Angehörige einer Klinik getötet werden. Serge und Momon, auf dem von nun an der Hauptverdacht lastet, distanzieren sich von Serges Befreiern und eliminieren deren Anführer. Doch Serge wird immer noch gesucht und gehetzt von der Polizei, von Zerbib und seinen Killern; die Schlinge um Momons Hals wird dadurch auch immer enger, und es scheint, als wären die Behörden immer einen kleinen Schritt voraus; als hätte sich ein Verräter in den Kreis der ehrenwerten Gesellschaft hineingeschlichen…

Staunen, vom ersten Bild an. Über Gesichter, deren Furchen und Linien, verursacht durch Lebensläufe und Geschichten. Über Stil. Über einen durchgehend ernsthaften, orchestralen Soundtrack, kein Hans-Zimmer-Geklimper. In LES LYONNAIS verliert keine der Hauptfiguren die Beherrschung, nicht einmal, wenn sie eine Tötungshandlung begeht. Kein lautes Wort. Besonnenheit, Berechnung, Erfahrung. Zielstrebigkeit. Olivier Marchal hat mit Gerard Lenvin und Tchéky Karyo zwei Superstars des französischen Films verpflichtet und ihnen ihre Rollen auf den Leib geschneidert. Eine schönere, aufrichtigere Verneigung vor den Actionfilmen, wie sie vor fast 40 Jahren in Frankreich und Italien entstanden sind und weltweit Kinogänger begeisterten, kann man sich nicht wünschen. Dieser Film funktioniert auf allen Ebenen, ausnahmslos. Seine geschickte und glaubwürdige Verknüpfung von gegenwärtigen Situationen mit den Erinnerungen an vergangene Tage wirkt niemals aufdringlich, aufgesetzt oder als Füllmaterial, sondern erklärend und analysierend; sie verschafft dem Film eine für sein Genre immer noch zu selten verabreichte emotionale Tiefe. Sie mutet an wie Trailer aus alten, reißerisch inszenierten Kriminalfilmen aus jener fruchtbaren Zeit. Sie ermöglicht ein Zurückkehren an die Anfänge, als Momon, das von allen gehänselte, ausgegrenzte und bespuckte Zigeunerkind, zusammen mit seinem einzigen Freund Serge, eine beachtliche Verbrecherkarriere vorbereitet und absolviert, dem beeindruckenden Spiel Vincent Cassels in PUBLIC ENEMY NO.1 nicht unähnlich. Die „Gang des Lyonnais“ beging einige der spektakulärsten Raubüberfälle im Lyon der Siebziger. Auf dem Höhepunkt ihres Schaffens trennen sich die Wege der beiden Freunde, die sich wegen ihrer Straftaten schließlich vor Gericht verantworten und mehrjährige Haftstrafen verbüßen müssen. Für den gealterten Momon und seine Familie zählt nur noch Sicherheit. Doch seine Biografie hat ihn angreifbar und verletzlich werden lassen, er wird rund um die Uhr von der Polizei observiert und von seinen Gegnern beobachtet. Man ahnt bereits jetzt das Ende eines bemerkenswerten Mannes vorher, der im Leben zwar die bestehende Ordnung mit Füßen getreten und sie nötigenfalls auch über den Haufen geschossen hat, der aber auch für Zielstrebigkeit, Hartnäckigkeit und die Flucht nach vorne steht, selbst wenn es sein eigener Untergang wäre, der ihn am Ende erwartet.

Bis in die letzten Ränge verfügen alle Darsteller, auch der Nebenrollen, über ein unverwechselbares Gesicht, ein Wesen, welches dem Publikum schnell und unprätentiös offenbart wird. Sie verlangen Teilnahme, Interesse. Man merkt sich sofort ihre Namen und schreibt ihnen einen Charakter zu. Besser kann man eine solche Geschichte nicht verfilmen.

LES LYONNAIS wird in Deutschland unter dem Titel A GANG STORY – EINE FRAGE DER EHRE noch im Oktober 2012 auf DVD erhältlich sein. Warum der Verleih keine Kinoauswertung angestrebt hat, ist mir völlig unverständlich.



Eine Antwort zu “Les Lyonnais – Kinokritik (FFF 2012)”

  1. Florian Resch sagt:

    Ein kleiner Nachtrag zur Ausstattung der britischen und der französischen DVD:
    Die in GB von Entertainment One veröffentlichte DVD enthält, im Gegensatz zur französischen, ein umfangreiches Making-Of, in welchem auch der „echte“ Edmond Vidal einige Male zu Wort kommt. Außerdem offenbart das Bonusmaterial einen Einblick in Momons Familien- und Bekanntenkreis, aus dem Statisten für einige Abschnitte des Films gewählt wurden.
    Die französische DVD von Gaumont hat zwar das schönere Cover und kommt im Pappschuber, dafür befinden sich darauf als Zusatzmaterial ausschließlich nicht verwendete Szenen (rund 30 Minuten).

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Autor:
Florian Resch



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