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KinoOtok 2011: ein Festivalbericht aus Isola

Isola 2011Die siebte Ausgabe des slowenischen Film-
festivals KinoOtok im Küstenstädtchen Isola, etwa 90 Autominuten von der Hauptstadt Ljubljana gelegen, bringt wieder leicht über-
sehbare Kinokunst und fulminantes Experi-
mentalkino zusammen. Klein und fein, mit dem passenden Eröffnungsfilm PAULINE AM STRAND (1982) von Eric Rohmer, zeigt das Festival was passiert, wenn Filmkritiker und Filmwissenschaftler ein Festival organisieren.

Pauline ist genervt von den verklemmten Erwachsenen und hat so manche verkopfte amouröse Attacke älterer Herren zu überstehen. Der Filmkritiker Rohmer wechselte, kurz umrissen, ins Regiefach, um endlich jene Filme machen zu können, die er so schmerzlich im Kino vermisste. Nein, es darf kein Zufall sein oder nur dem Umstand verschuldet, dass sich mit PAULINE das Flair auf der Leinwand in der Umgebung des Festivals widerspiegelt: Hafen, Sonne, Katzen und Leidenschaft.

Pauline am Strand

PAULINE AM STRAND

KinoOtok ist ein Beispiel dafür, wie die doch mittlerweile recht umstrittene Filmfestival-
landschaft im idealisierten Sinne funktio-
nieren kann. Man gründet ein professionelles kleines Festival, um das Kino in die Stadt zu bringen, um aber auch die Menschen zusammenzubringen und Filme zu zeigen, die dort vielleicht nicht so einfach ansichtig werden würden. Und wenn dann noch renommierte Filmkritiker und Autoren wie etwa Jurij Meden oder der Filmemacher Vlado Skafar, ebenso ein Mitbegründer der Slowenischen Kinemathek, zu Beginn das Ruder in die Hand nehmen und ihre weltweit gestreuten Kontakte und Freundschaften spielen lassen, dann wird es spannend.

Auf drei Spielstätten verteilt, mit einem kleiner Auswahl des Festivalprogramms auch in der Kinemathek in Ljubljana vertreten, gibt es ein Spielfilmprogramm, Dokumentationen und eine Experimentelle Schiene. Kritiker bringen ihre auf Festivals gesammelten Filme ins Programm, die entweder im großen Getümmel des Marktes allzu schnell abtauchen oder nach internationalen Festivalerfolgen aufgrund markttechnischer Unzulänglichkeiten und Ignoranz in der dunklen Kiste verschwinden würden.

CHRZEST

CHRZEST

Neil Young, britischer Kritiker und Kurator, brachte den polnischen Film CHRZEST (THE CHRISTENING, 2009) von Marcin Wrona und den Regisseur gleich mit. Das abstrahierte Kain und Abel-Drama besticht durch seine beiden Hauptdarsteller und eine ungewöhnliche Farbgebung (Kamera von Pawel Flis): Im modernen Warschau hat sich der junge Geschäftsmann Michal (Wojciech Zieliński) ein Imperium aufgebaut. Mit einer engelsgleichen Frau und dem nun geborenen Nachwuchs versucht er, sich dem sich langsam zuziehenden Netz der Verfolgung zu entziehen. Seine kriminelle Vergangenheit wird ihn einholen, der Big Boss sucht ihn bereits und ist im Umgang mit Verrätern nicht zimperlich.

Da kommt es Michal gerade recht, dass eines Tages sein Jugendfreund Tomek (Tomasz Schuchardt) wieder vor der Tür steht. Von Kriegserlebnissen traumatisiert erscheint er erst einmal als hysterische Bedrohung eines eh nicht existenten Familienglücks. Michal ist sich der anstehenden Gefahr durchaus bewusst und hat die Zukunft seiner kleinen Familie bereits geplant: Als einzige Vertrauensperson soll Tomek nach der wohl abzusehenden Rache an Michal dessen Familie übernehmen. Die Ehefrau wird in Unwissenheit gelassen und Tomek versucht, sich für seinen Freund beim Boss zu verwenden.

Das Resultat bleibt ernüchternd: Tomek wird immer mehr in die Mafia hineingezogen, assistiert gezwungenermaßen bei einem Mord und bekommt einen schockierenden Eindruck, was Michal in naher Zukunft blüht. Die Konsequenz, die er aus diesem Wissen zieht, ist brutal und logisch. Als Manko kann man dem Film dramaturgisch ankreiden, dass die gesamte Brutalität sich aufstauend nicht gegen den recht kleinen Trupp des Bosses wendet, sondern die Umstände, welche durchaus mit Mut und ebensolcher Brutalität zu ändern wären, akzeptiert werden. Die Suche endet darin, das kleinstmögliche Übel zu suchen. Für Tomek, einst von seinem Freund vor dem Ertrinken gerettet, wird sich der Kreis nun schliessen.

TILVA ROŠ

TILVA ROŠ

Mit genauer Beobachtungsgabe gelingt dem Regisseur Nikola Ležaić ein unaufgeregtes Jugendportrait, TILVA ROŠ (2010). Eine Skaterclique im serbischen Bor kämpft mit dem Erwachsenwerden oder sucht vielmehr die eigene Identität zu wahren, während die Zwänge der Erwachsenenwelt ihren Tribut fordern: Der letzte Sommer nach dem Schulabschluss, Stefan (Stefan Đorôević) und Toda (Marko „Toda“ Todorović) hängen mit ihren Boards und Freunden herum, man trinkt und albert, schlitzt sich, bekifft sich, prügelt aufeinander ein und probt auch sonst den Aufstand, indem man doch nur eine amerikanische Jugendkultur aus dem Fernsehen imitiert. Dieses Umstandes sind sich nicht alle bewusst (oder doch?) und hemmungslose Verzweiflung mitsamt kindlicher Auslotung von Grenzen sind an der Tagesordnung.

Als Dunja (Dunja Kovačević) aus Frankreich zu einem sommerlichen Heimaturlaub ankommt, zersplittern sich Freundschaften. „Du gehst jetzt wohl ins Fitnesstudio“, fragt Stefan verächtlich, als er einen Blick auf Dunjas muskulösen Bauch wirft. Da hat die Entfremdung schon ihre Lauf genommen. Aber dann kümmert es ihn doch alles nicht mehr, ein Studium wartet auf ihn und neue Begegnungen und ein familiär gesichertes Finanzpolster versprechen eine spannende Zukunft. Toda hingegen ist von allem genervt, aber vor allem von dem Verlust der früheren Ideale. Seine einstmals besten Freunde stehlen nun im Supermarkt und Dunja zeigt mit ihrem Satz die ganze verklemmte Bürgerlichkeit: „Zwei Orangen! Das war kein Stehlen. Man stiehlt nur, wenn etwas auch wirklich teuer ist!“ Toda soll sich auf einen Arbeitsmarkt vorbereiten, der ihn nicht haben will und seine warmherzigen Eltern lassen ihn nur mehr verzweifeln: Wer oder was zwingt einen eigentlich dazu, sich einem System zu fügen, das aus Freigeistern angepasste Schachfiguren macht? Mit seiner Frage wird er allein gelassen.

Ležaić bringt einen gewissen Grad an Authentizität ins Spiel der Jungdarsteller, indem die beiden Hauptfiguren sich selbst spielen, ihre eigene Kleidung anziehen und die Texte halbwegs improvisieren sollten. Ebenso sind die Eltern der beiden Jungs auch im „wahren“ Leben ihre Eltern und die anderen Gruppenmitglieder sind einer lokalen „Gang“ nachempfunden. Nur die Figur der Dunja wurde aus dramaturgischen Gründen frei hinzugefügt: „Ich wollte den Eindruck verhindern, dass es nur ein Club von Jungs ist und das kämpferische Mädchen mit dem Streben nach sozialem Aufstieg ist für mich ein ganz klassisches Thema. Dunja schafft es auch allein, geht zum Studium nach Frankreich in eine fremde verlockende Welt.“

Ivan MartinacJurij Meden hingegen brachte mit dem Regisseur Ivan Martinac (1938-2005, geboren und gestorben in Split) einen Experimentalfilmer zurück ins Bewusstsein, der unter Fachleuten zwar geschätzt wird, aber darüber hinaus unbekannt ist. Mit einem Gesamtwerk von über 50 Kurzfilmen wurde das kleine zusammengestellte Programm von 8 Filmen nachträglich auch in der Kinemathek in Ljubljana gezeigt. Aber als ich gespannt im Kino saß, tat sich zuerst einmal ein ganz anderes Problem auf, das momentan sich eh einer großen Diskussion erfreut: Zeigt man aufwendig das Filmformat (in diesem Fall 16mm) oder schiebt man lässig eine DVD oder Beta in die Maschine?

Just zur Vorstellung stellte sich der Projektor als filmfressendes Ungeheuer heraus und man wollte es logischerweise nicht riskieren, die momentan einzige verfügbare Filmkopie von Martinac’s Werk der Verkohlung auszusetzen. Martinac hatte selbst noch beim Ziehen der Kopien die Farbtechnik beaufsichtigt und dementsprechend glücklich war man über die vom Meister persönlich freigegebene Version seiner Arbeit. Nun sollten hier in Isola also nicht diese 16mm gezeigt werden sondern eine DVD, worauf einige „Filmfans“ entrüstet den Saal verließen. Meden war peinlichst berührt und hin und hergerissen, hatte Martinac doch selbst verfügt, dass diese DVD niemals vorgeführt werden, sondern nur der Archivierung dienen sollte.

Ivan MartinacNun denn, es war nur richtig, sich diesem Willen zu widersetzen: Meden machte nochmal darauf aufmerksam, dass man nun farblich ungenaue und tonlich nicht dem Wunsche des Künstlers entsprechende Kurzfilme zu sehen bekomme. Mit diesem Bewusstsein war es dennoch grandios, beginnend im Jahr 1960, rhythmisch ungewohnte Portraits der Stadt Split und seiner Bewohner zu betrachten. Auf 16mm und 8mm gedreht gibt es Blicke, Beziehungsdramen, Spaziergänge, Straßen und Vögel, Gläser werden gelehrt und Blicke durch Zäune geschickt. Körnung wo wohl keine sein sollte und Tonverzerrungen, die wohl auch nicht an ihrem Platz waren. Ein Kratzen und Zerren, große Befindlichkeiten mit viel Zigarettenqualm auf der Leinwand und dem Wissen um den kratzbürstigen Charakter des ehemaligen Architekten Martinac, der dann zu seiner Bestimmung des Filmemachers und Schreibers fand. Martinac schrieb in seiner Autobiografie, dass er von Studienkollegen eh gehänselt wurde: Er könne doch gar nicht in Split geboren sein, da man als wahrer Bürger von Split alles aber nur keine Filme machen würde! Ein feiner Einblick, und zumindest lässt mich der Name nun aufhorchen und auf die Gelegenheit warten, diese einzige frisch gezogene Kopie doch einmal irgendwo sehen zu können.

LE QUATTRO VOLTE

LE QUATTRO VOLTE

Leider „open air“ gezeigt, was man bei einem dialogfreien Spielfilm wohl eher vermeiden sollte, der grandiose LE QUATTRO VOLTE (2010) von Michelangelo Frammartino. Was als Portrait eines alten kalabrischen Ziegenhirten beginnt, gibt die Kamera weiter an eine kleine Ziege aus jener Herde und ihrem Weg durch den Wald; der dazugehörige Hirtenhund bringt mit einer frechen Tat das Drama des Lebens mal eben auf einen Punkt; dem Fabrizieren von Holzkohle (einer wohl schon ausgestorbenen Berufssparte), dann der große Stimmungsumschwung schließlich mit einer Maifeierlichkeit im selben Dorfe, der Baum wird gesetzt bis zum Ende das Holz seinen Weg findet zum besagten Köhler am Beginn des Filmes. Einige zarte Gags, viel Grün und Grau, Leben und Tod, Lächeln und Nasehochziehen zugleich, und mit der Beruhigung, dass man das Leben nicht so furchtbar tragisch nehmen muss: Das macht selbiges mit uns Menschen schließlich auch nicht. Alles ist vergänglich, nichts wird bleiben, auch wenn man das so gerne verhindern möchte. An ein christliches Kreuz kann man sich da gerne klammern, aber das ist auch nur aus Holz. Und am Ende schwarz verkohlt.

TEE-RAK

TEE-RAK

Etwas ärgerlich: TEE-RAK (2010) des Thailänders Sivaroj Kongsakul schildert mit langen Einstellungen und Blicken die Trauer eines Mannes und seine Suche nach der Vergangenheit. Ob wohl doch nicht alles so idyllisch war? Begegnet er sich selbst Bergman-gleich als Kind, mit seiner Mutter oder doch mit seiner Jugendliebe? Oder fantasiert er sich das Leben seines Vaters zusammen? Fremdartige Landschaft und Gesichter, Bräuche und Lebensmittel: zumindest für ein westliches Publikum, und gerade bei dieser Produktion frage ich mich, inwiefern das Publikumsinteresse eher damit zu tun hat, als sich eine Geschichte erzählen zu lassen. Mein Vorschlag wäre einmal, sich einen solchen Film herauszupicken, eine Szene 1 zu 1 in seinem Bildausschnitt und in seinen Einstellungslängen zu kopieren und nur das Setting zu ändern. Vielleicht auf einen Bauernhof in einem Vorörtchen von Köln? Mit langen Shots auf rheinischen Sauerbraten mit Kartoffeln, stummen Blicken in einer Kölner Kneipe, bei denen die Kamera auf einer Kölschstange verweilt und die Wirtin nach einer sehr langen bedeutungsvollen Pause kopschüttelnd im breiten rheinischen Dialekt sagt: „Du hässt ne Schuß!“ („Du spinnst!“). Ob man da Filmförderung bekommt?

Die offizielle Webseite des Festivals

2 Antworten zu “KinoOtok 2011: ein Festivalbericht aus Isola”

  1. good article !!!!!! haha !!!!!! yes

  2. Florian Resch sagt:

    Hervorragend! Erzeugt riesigen Appetit. Danke für die hilfreichen Informationen!

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Autor:
Claudia Siefen


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