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In einer besseren Welt: Kritik

Regie: Susanne Bier
Darsteller: Mikael Persbrandt, Trine Dyrholm, Markus Rygaard
DEN,SWE/2010; Start: 17.3.2011

IN EINER BESSEREN WELT ist nicht unbedingt der Film, den man von Susanne Bier nach ihrem letzten Ausflug in den independent-angehauchten Mainstream mit THINGS WE LOST IN THE FIRE erwartet hätte. Das ist insgesamt positiv zu vermerken, zeigt es doch, dass die dänische Regisseurin nach wie vor in keine der vielen Schubladen passt, in die sie von der Filmkritik bisweilen gesteckt wird, und dass sich Dogma-Stil und Hugh-Grant-RomCom innerhalb eines Œuvres nicht zwangsläufig ausschließen müssen.

In einer besseren Welt

Dass Wandelbarkeit und steter Fortschritt dabei aber nicht zwangsläufig Hand in Hand gehen, beweist IN EINER BESSEREN WELT nun leider allzu drastisch: Viele Probleme, kleine und große, hat Bier auf der Agenda für ihren neusten Film stehen, tatsächlich scheitert sie an eben dieser aber bereits nach wenigen Minuten: Jugendliche und erwachsene Einsamkeit, Suizidgedanken und Verdrängung, hilflose und missverstandene Vaterfiguren, Eheprobleme und fehlende Kommunikation – es ist keine halbe Stunde vergangen, da hat IN EINER BESSEREN WELT die Grundlage für seine groß angelegte (oder besser: großspurige) Gewaltparabel bereits dermaßen mit lose verknüpften Problematiken und Klischees überladen, dass das Zusammenbrechen des Gesamtkonstrukts eher eine Frage nach dem „Wann“ als nach dem „Ob“ zu sein scheint.

In einer besseren WeltEs ist eine Geschichte von Missverständnissen, und deren fatalen Folgen, die die Regisseurin hier erzählen möchte, davon, dass kleine Gesten großes Unheil beschwören können, dass Rachegedanken und verletzte Empfindungen stets der Stein des Anstoßes für einen unaufhaltsamen Strudel des Misstrauens sind – ob nun auf dem Pausehof in Dänemark, oder im afrikanischen Hilfscamp am anderen Ende der Welt.

Natürlich erscheint diese Parallele zwischen der sich verdichtenden Gewaltspirale in der kleinen Vorstadt-Welt und der politischen Situation in Afrika griffig und ambitioniert, und doch ist ihre reine Existenz unnötig. Es ist kein Aufwerfen neuer, sondern ein Ausbuchstabieren bereits bekannter Aspekte und Fragestellungen, das Bier hier betreibt; ihre Plotstränge korrelieren nur insofern miteinander, als dass sie gleiche Variablen in anderen Umgebungen ausdiskutieren.

In einer besseren WeltDie Anzahl der gezeigten Moralitäten ist hoch, trotzdem oder gerade deswegen bleibt beim Publikum nach dem Abspann eigentlich nur die Frage erhalten, warum IN EINER BESSEREN WELT so sehr um Komplexität innerhalb seiner Erzählung bemüht ist, wenn die daraus resultierenden Schlüsse doch denkbar banal sind: Gewalt erzeugt Gegengewalt; nur Vergebung ebnet den Weg aus der Spirale des Hasses.

So plakativ dieses Fazit, so steinig ist doch der Weg zu eben diesem: Bier inszeniert kühl und distanziert, erreicht damit zwar eine gewisse Abstraktion, die ihr für die Art des Stoffes wohl angemessen erscheint, verhindert so aber auch das Funktionieren ihres Films auf einer persönlichen Ebene. Es sind wenige Momente, in denen einzelne Darsteller die Fassade ihrer Figuren durchbrechen, und tatsächlich so etwas wie Empathie erzeugen, über weite Teile sind sie aber in der stereotypen Schablonenzeichnung des Drehbuchs und dessen Berechenbarkeit gefangen: IN EINER BESSEREN WELT ist eigentlich hochemotionaler Stoff, aber er lässt einen seltsam kalt und unberührt zurück.

In all seiner heuchlerischen Scheinintellektualität und dem bewussten Unterstreichen seiner Arthouse-Ambitionen durch IKEA-Optik und bewusster Unzugänglichkeit innerhalb der Aufarbeitung seines Sujets hat IN EINER BESSEREN WELT zwar einen Oscar als bester ausländischer Film abgeräumt, doch interessant wird Biers oberflächliche Mediation über Gewalt und ihre Folgen dadurch leider nicht.



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Autor:
Sebastian Büttner



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