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Freaks uncensored!: Kritik

Freaks uncensored!Regie: Ari Roussimoff
USA/1999

Filme über physisch missgestaltete Menschen herzustellen gleicht immer einer Operation am offenen Herzen. Sich damit in aller Welt Freunde zu machen ist ein nahezu unmögliches Unterfangen. Es ist eine Gratwanderung, die das Publikum meist in zwei Lager spaltet, ohne Hoffnung auf gegenseitige Annäherung. Nicht immer ganz zu Unrecht herrscht oft die Unterstellung der skrupellosen Profitmaximierung vor, die mit dem Zurschaustellen extremer Bilder erreicht werden soll. Echten oder (was in der Tat das eigentlich Schlimmere ist) unechten „Freaks“ wurde in zahlreichen Horrorfilmen immer wieder der Hang zu bösartigem, kriminellem Verhalten unterstellt (populäre Beispiele wären unter anderem der Jason-Vorhees-Charakter oder die Missgestalten in THE SENTINEL), ihre bloße Existenz ist dabei auf eine Art Krankheit, die sie unweigerlich für verbrecherisches Handeln prädestiniert, festgelegt. Einen modernen Freak-Film zu drehen, der sich an Tod Brownings großartigem Meisterwerk FREAKS von 1932 messen kann, bedarf es daher allergrößter Sensibilität – und einer aufrichtigen, innigen Liebe zu allem Ungewöhnlichen und Andersartigen. Genau diese Charaktereigenschaften verlangt FREAKS UNCENSORED! auch seinen Rezipienten ab, die sich keinesfalls zufällig und unbeabsichtigt den so gebrandmarkten „menschlichen Monströsitäten“ annähern wollen.

Lionel the lion faced man

Lionel the lion-faced man

Ari Roussimoff, einer der wenigen noch aktiven „Wilden“ des New York Cinema of Transgression, hat einen einzigartigen Dokumentarfilm erschaffen, der von Facets Movie Lovers Video Guide im Jahre 2009 in die Liste der „100 best Documentary Films of all Time“ aufgenommen wurde. Er spannt einen zeitlichen Bogen vom Ende des 19. Jahrhunderts, wo bis zum Beginn des Dritten Reichs auch in auffällig vielen deutschen Zirkusveranstaltungen menschliche Kuriositäten zu bewundern waren, zur Gegenwart im Sideshow-Dorf Gibsonton, Florida, und zeigt uns seltene Bild- und Filmdokumente von Menschen mit den wunderlichsten und unglaublichsten Abnormitäten und deren Lebensläufen: Kleinwüchsige, wie die aus Ostpreußen stammenden Kurt und Daisy Schneider, die als Daisy und Harry Earles in Brownings FREAKS zu Filmruhm gelangten; die an Hypertrichose leidenden Fedor Jeftichew alias „Jojo, the Dog-faced Boy“ und Stefan Bibrowsky alias „Lionel, the Lion-faced Man“; der berühmte Mikrozephalus („Nadelkopfmensch“) Schlitzie; bis hin zu schier unglaublichen Deformationen, wie etwa Minon, the Pinguin Girl und Prince Randian, der „lebende Torso“; der armlose, gleichzeitig unfassbar talentierte Carl Unthan, der mit seinen Füßen Karten spielt, eine Weinflasche öffnet oder auf einer Trompete spielt; sowie die berühmten siamesischen Zwillinge Daisy und Violet Hilton, neben ungezählten anderen.

David F. Friedman & Ari Roussimoff

David F. Friedman & Ari Roussimoff

Durch die Dokumentation führen Roussimoff selbst als Kommentator und Jahrmarkts-
schreier; der als Filmproduzent bekannt gewordene und mittlerweile verstorbene David F. Friedman; James Taylor, der Herausgeber von „Shocked and Amazed!“; sowie einige Freaks höchstpersönlich: Jeanie Tomaini (bürgerlich Bernice Evelyn Smith) ist augenscheinlich eine Frau wie jede andere. Die 1916 geborene jedoch kam als Mädchen ohne Unterleib zur Welt und verbrachte die Jahre bis ins höhere Alter in Wanderzirkussen, wo sie als lebendes Kuriosum nicht ausschließlich einer sensationshascherischen Meute vorgeführt, sondern, wie sie selbst sagt, von einem interessierten Publikum bewundert wurde. Verheiratet war sie mit Alan Tomaini, ironischerweise einem zu jener Zeit größten Menschen der Welt, der ebenfalls in einem Zirkus arbeitete. Sie und der kurz nach Drehschluß verstorbene Jack Dracula, dessen Andersartigkeit „nur“ darin bestand, daß er ab dem Kopfhaaransatz ganzkörpertätowiert war, um sich von der von ihm so verachteten Normalität der breiten Masse zu unterscheiden, führen gewissermaßen als Co-Kommentatoren durch den Film, gemeinsam mit der hinreißenden „bärtigen Dame“ Jennifer Miller.

Schlitzie

Schlitzie

Die drei verschaffen nicht nur einen Einblick erster Hand in die Magie und Misere einiger der bemerkenswertesten Unterhaltungskünstler, die sie zum großen Teil persönlich kannten, sondern räumen auch mit dem Vorurteil auf, dass Freaks nicht Herr ihrer Lage, sondern stattdessen von schmierigen, geldgeilen Jahrmarktsganoven nach Strich und Faden ausgenommen worden wären. Nein, eine große Zahl der hier vorgestellten Attraktionen hatte und hat ihr eigenes Leben selbst im Griff. Was wäre ihnen auch anderes übrig geblieben, als im Schaustellergewerbe als Artisten zu arbeiten? Eine Stelle in einer Behindertenwerkstatt anzunehmen, wo sie, anonym und vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten, ein trostloses Dasein gefristet hätten? Zu akzeptieren, dass die Selbstzurschaustellung der eigenen körperlichen Defizite und Auffälligkeiten eine Ausdrucksform der Menschenwürde sein kann, fällt uns „Gesunden“ natürlich schwer. FREAKS UNCENSORED! beweist, dass wir beim Gedanken daran kein schlechtes Gewissen haben müssen. Tod Browning hat mit seiner Hollywood-Karriere bezahlen müssen, dass er einen Film wie FREAKS geschaffen hat, der seiner Zeit um Jahrzehnte voraus war. Die zutiefst humane Motivation, andersartigen Menschen mit einem Höchstmaß an Respekt und Bewunderung zu begegnen, teilt Ari Roussimoff mit dieser wundervollen Dokumentation und lässt uns zweifellos daran teilhaben.

Die Original-DVD von Bohemia Productions kam mit einem mysteriösen, aufgeklebten menschlichen schwarzen Haar, vermutlich ein Barthaar von Jennifer Miller. Der Bezug gestaltet sich nach wie vor etwas schwierig, da ein Versand ausserhalb der Vereinigten Staaten offenbar nicht beabsichtigt ist. Wen das Interesse an Lionel, the Lion-faced Man, gepackt hat, dem sei der Spielfilm FUR – AN IMAGINARY PORTRAIT OF DIANE ARBUS ans Herz gelegt, in welchem sich die junge Nicole Kidman als verheiratete Fotografin in ihren geheimnisvollen Nachbarn verliebt.



Die offizielle Webseite
Ari Roussimoff – die offizielle Webseite
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Autor:
Florian Resch



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