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Dokumentationen von Robert Adrian Pejo/ Teil 1: Rest in pieces – The art of Joe Coleman

Rest in pieces - the art of Joe ColemanRegie: Robert Adrian Pejo
Mitwirkende: Joe Coleman, Asia Argento, Jim Jarmusch
AUS, USA/1997

Der österreichische Filmemacher Robert Adrian Pejo, auf den man zuletzt wegen seines Filmes DER KAMERAMÖRDER aufmerksam wurde, drehte in den 90er Jahren zwei Dokumentationen, die als die schonungslosesten unserer Zeit angesehen werden können: DER WEG NACH EDEN (1995) und REST IN PIECES – THE ART OF JOE COLEMAN (1997).

In selten dagewesener Direktheit und Offenheit legt er den Finger in die Wunden unserer modernen Gesellschaft, die sich nach außen hin weltoffen, tolerant und liberal gibt, in Wahrheit aber oft an ihrem faulen, inneren Kern leidet, indem sie in wachsender Unverfrorenheit die Rechte des Einzelnen einschränkt und ein totalitäres Klima der absoluten Kontrolle über unser aller Privatleben erzeugt. In einer solchen Gesellschaft lebend, ist es irgendwann einmal nicht mehr möglich, über Krankheit, Epidemien, sexuelle Deviation, Geistesgestörtheit, triebhaftes Verhalten, Mord und Totschlag, Sex und Gewalt zu sprechen. Immer mehr der menschlichen Rasse angeborene bzw. präpubertär erworbene Paraphilien, Gewaltfantasien usw. werden systematisch tabuisiert, verschwiegen, verheimlicht. Darüber zu sprechen, zu berichten, die Dinge zu analysieren, gilt heutzutage schon als suspekt. Damit befassen sich scheinbar höchstens noch dubiose Spinner, und die werden von der politisch korrekten Gleichschaltungslobby konsequent mit der Moralkeule bedacht. Große Boulevardzeitungen verschwenden Titelseiten an besonders skandalöse Fälle von vermeintlichen Abartigkeiten, um ihre Werbeflächen auch weiterhin teuer an die Industrie verkaufen zu können.

Rest in pieces - the art of joe ColemanRobert Adrian Pejo setzt genau dort an, wo es weh tut, er hält genau dann drauf, wo andere die Kamera abschalten würden. In seiner 1997 entstandenen Filmbiografie REST IN PIECES erforscht er die schockierenden Abgründe der menschlichen Zivilisation, indem er sich dem Mann widmet, der wie fast kein anderer synonym für die subkulturelle Gegenöffentlichkeit steht und dem Begriff „Apocalypse Culture“ ihre Bedeutung gegeben hat: Joe Coleman – Maler, Aktionskünstler, Schauspieler. Colemans Gemälde sind von seltener bizarrer Schönheit, die Einflüsse amerikanischer Comic- und Popart lassen sich genauso erkennen wie die eines Hieronymus Bosch (DIE SIEBEN TODSÜNDEN) oder Pieter Brueghel d. Ä. (DER TRIUMPH DES TODES); seine Liebe zu vermeintlich „abartigen“ Details stehen der Fotokunst von Joel-Peter Witkin nah. Häufig gewählte Motive und Vorlagen sind intime Einblicke in den Gedanken- und Gefühlskosmos berüchtigter Serienmörder, Triebtäter und anderer „gestörter“ Persönlichkeiten. In filigraner Feinstarbeit entstehen Colemans Bilder, oft mit einem „single hair brush“ gemalt, in Wochen höchster Konzentration in seinem Atelier in Brooklyn, das gleichzeitig ein Kuriositätenmuseum ist: das „Odditorium“. Hier findet der Besucher die wohl fremdartigste Sammlung an ungewöhnlichen Exponaten, die von anatomischen Wachsmodellagen, Requisiten von Serienmördern bis zu präparierten Föten reicht. Joe Coleman hat in dieser Doku ausreichend Raum bekommen, dem Publikum sein Weltbild zu offenbaren, seine Sichtweisen zu überkommenen Werten wie „schön“, „häßlich“, „richtig“ und „falsch“. In Joes Welt haben diese Floskeln längst keine Bedeutung mehr, er steht als einer der wenigen zeitgenössischen Künstler für eine Umwertung aller Werte. Für ihn ist die Selbstzerstörung der menschlichen Joe ColemanRasse eine logische Konsequenz der Evolution: Der Planet, der „Wirt“, stößt seine Parasiten ab, wenn sie ihm zu viel werden. Die Natur schafft den Serienmörder, die sexuellen Perversionen, die Kriege und Völkermorde, weil sie der ständig wachsenden Zahl ihrer Bewohner überdrüssig ist und sie im Zaum halten will.

Pejos einmaliges Porträt enthält neben tiefen Einblicken in die Psyche eines der bedeutendsten, authentischen Künstlers der Gegenwart auch Gespräche mit zahlreichen seiner Kollegen und Weggefährten; etwa mit Asia Argento, die Joe Coleman für ihren Film SCARLET DIVA verpflichtet hat; mit Independent-Filmemacher Jim Jarmusch sowie mit dem True-Crime-Experten und Ed-Gein-Biografen Harold Schechter; und Pejo mischt sich unter die wirklich bunte und illustre Hochzeitsgesellschaft bei Joes und Whitney Wards Trauung.

REST IN PIECES: THE ART OF JOE COLEMAN ist als DVD mit zahlreichem Bonusmaterial aus den USA erhältlich (Bestellen bei Amazon.com). Im österreichischen Fernsehen lief vor einigen Jahren eine deutsch untertitelte Fassung.





Der zweite Teil des Textes: Eine Kritik zu DER WEG NACH EDEN

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Autor:
Florian Resch



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