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Diagonale 2011 (Graz, 22.-27. März): „Do we need to have an accident?“

DiagonaleHier erst ein wenig Orientierungshilfe auf der Österreichkarte: Graz ist die Landeshauptstadt der Steiermark und liegt circa 2 ½ Stunden Zugfahrt entfernt südlich von Wien. Das Festival zeigt seit 1998 alljährlich ausschließlich aktuelle österreichische Produktionen: Spiel- und Dokumentarfilme, Kurz- und Experimentalfilme, und widmet sich in weiteren Festivalschienen dem österreichischen Filmschaffenden mit den unterschiedlichsten Themenbereichen. Es werden dotierte Preise vergeben und es gibt diskussionsfreudige Branchentreffs mit Themen wie „Digitale Revolution in Vertrieb und Marketing“.

Elfi Mikesch

Elfi Mikesch

Das Schaffen der Kamerafrau Elfi Mikesch (ROSAS HÖLLENFAHRT, 2009; BRINKMANNS ZORN, 2006; PASSION HÖLDERLIN, 2003; DENK ICH AN DEUTSCHLAND, 2001; ABFALLPRODUKTE DER LIEBE, 1996; MALINA, 1991; DIE JUNGFRAUENMASCHINE, 1998) wurde mit einem Special zentriert. Das Filmarchiv Austria stellte mit seinem Programm Shooting Women weibliche Pioniere des österreichischen Filmschaffens vor, wie etwa Ursula Pürrer, VALIE EXPORT, Kitty Kino, Karin Ressler, Margareta Heinrich, Angela Summereder.

Und zwischendurch gab es in der Innenstadt noch Demonstrationen gegen Budgetkürzungen des Landes im Bildungsbereich und Freitagabend erschütterte gar eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die der Sprengung bedurfte, noch die Umgebung des Hauptbahnhofes.

Aber zurück zu den Filmen. Peter Kern (GOSSENKIND, 1992; HANS EPPENDORFER: SUCHE NACH LEBEN, 1998; DONAULEICHEN, 2005; BLUTSFREUNDSCHAFT, 2009; KING KONGS TRÄNEN, 2010) präsentierte seine MÖRDERSCHWESTERN. Das „enfant terrible“ des österreichischen Films (Kunst- und Weggefährte von Rainer Werner Fassbinder, Werner Schroeter, Peter Zadek und Christoph Schlingensief) und seines Zeichens Regisseur, Schauspieler und Autor zog erfreulicherweise ein überwiegend junges Publikum in den Kinosaal.

Mörderschwestern

MÖRDERSCHWESTERN

Während sein Film sich zunächst an einer wahren Begebenheit orientiert (im Mittelpunkt steht die Figur der Tabea Wohlschläger. Sie wird als eine der Lainzer „Todesengel“ nach 15 Jahren Haft entlassen und arbeitet nun in einem Gasthaus im Wiener Prater, hievt fetttriefende, vergiftete Schweinehaxen auf Teller und fordert das Publikum auf, den Verlauf der Handlung zu bestimmen: „Wer soll nun dran glauben, ihr Beutelratten!!??“), zerreibt er in gewohnt grandioser Kameraführung seine Handlung und bringt, eh man’s sich versieht, ein philosophisches, verstörendes Kleinod auf die Leinwand. Mit seiner Hauptdarstellerin Susanne Wuest (AM WALDRAND, 2010; CARLOS, 2010; MAX SCHMELING, 2010) hat er eine Besetzung gewählt, die mit ihrer Stimme und ihren scharfen Gesichtszügen den Reiz des „Bösen“ auslotet, ohne dabei eine Minute ins Lächerliche zu überzeichnen. Schauspielerisch pikant genug, wenn man bedenkt, dass sie in erster Linie in Nahaufnahmen zu sehen ist und dazu auch noch direkt in die Kamera spricht.

Excursus on fitness

EXCURSUS ON FITNESS

Der aktuelle österreichische Experimentalfilm, ach, wieder einfach herrlich. Ein paar Beispiele: EXCURSUS ON FITNESS von Josef Dabernig macht sich oberflächlich über die anhaltende Fitnesswelle lustig, im Besonderen aber über das Praktizieren von vorgegebenen Bewegungen, die zur Verschönerung des Körpers dienen sollen. Doch schöne Körper sind das letzte, was man hier zu sehen bekommt. Ein dicklicher Herr sitzt an einem Tisch am Computer und überwacht das korrekte Geschehen im ebenso unhübschen Übungsraum. Da werden Hanteln gehoben, Beine geschwenkt, Knie gebeugt und es wird in die Pedale getreten. Im aschgrauen Schwarzweiß sind die Gesichter der Beteiligten ebenso lustlos wie die gesamte Ausstattung des Films. Der sparsame Schnitt erzeugt eine eigenwillig stolpernde Dynamik. Die 12 Minuten kommen dann zu einer Pointe, die so einfach und blitzkurz ist, dass man bei dieser Umsetzung nur von „klug“ sprechen kann.

RaumZeitHund

RAUMZEITHUND

RAUMZEITHUND von Nikolaus Eckhard hat ebenso „Bewegung“ als Thema, ironische Überzeichnung inklusive. Eine Reflexion auf einen Muybridge-Versuch, der nicht zuletzt durch eine technische Reife, Strenge und Ausgeklügeltheit begeistert. Ein brauner Hund galoppiert auf einem Pferdetrainingsband dahin. Genau ausgerechnet werden Frames entfernt und geben dem Hund am Schluss den Eindruck des Dahinfliegens. Die Ausleuchtung der Szene produziert ein Grau, Blau und Schwarz und eine Fellstruktur, die im Kopf bleibt.

Und zwei Perlen aus dem Kurzdokumentarfilmprogramm. Einmal DIE FALTEN DES KÖNIGS von Matthias van Baaren. Die Sprache und die Enge. Die Enge in der Sprache?

Die Falten des Königs

DIE FALTEN DES KÖNIGS

Wir beobachten zwei Simultandolmetscher in der berühmten kleine Kabine. Gesten, Räuspern. Die Sprache von aussen, die wieder „entschlüsselt“ in die jeweilige benötigte Sprache in die Aussenwelt zurück gebracht wird. Hört sich einfach an, ist es auch. Die Umsetzung und der Schnitt tragen alles zusammen ohne überheblich zu werden. Eine hochkonzentrierte Arbeit, die eigentlich nur verlangt, etwas verständlich zu machen und das wie am Fließband. Die feinste Nuance ist hier entscheidend und die Zeit ist kein Freund bei dieser Arbeit. Großartig.

SURVIVAL GUIDE #1-#5 hat fünf Künstler zu ihren ganz persönlichen Überlebensstrategien befragt und filmisch umgesetzt. Verkopft und demonstrativ kommt das ganze daher. Wäre da nicht die stille Antwort und herrliche Version #1 von Leonie Wieser. Sie hat den Dramatiker, Schriftsteller und Regisseur Händl Klaus mit der Kamera begleitet. Keine Bücherwand, kein überbordender Schreibtisch, keine Papierkaskaden. Stattdessen sehen wir Händl mit seinem Kater im Garten. Man liegt auf der Decke zu zweit und wer da nun wen begleitet verwischt sich schnell. Des Katers Strategie ist denkbar einfach: schlafen. Händl schließt sich ihm vertrauensvoll an, bis zum gemeinsamen zarten Schnarchkonzert unter blauem Himmel.

SURVIVAL GUIDE #1-#5

SURVIVAL GUIDE #1-#5

Das Kino zu lieben, den „Film“: Viele Festivals bringen einen durchaus zu der Überzeugung, dass dies immer noch möglich ist. Erst recht auch mit aktuellem Filmschaffen. Aber: Das Kino als Ort des sozialen Zusammentreffens wird für mich persönlich immer mehr zu einer Kampfzone. Egal ob Cineplex oder Programmkino oder gar Cinemathek: Da wird gegessen, geknistert, gehustet, gequasselt und telefoniert, gerangelt und getreten. Alles während einer Vorstellung, wohlgemerkt! Die Zeiten des Kinos als dunkler Ort, wo man sich von einem Film umarmt fühlen kann, versinkend im Dunkeln und in der Stille, um sich für einige Zeit in eine andere Welt entführen zu lassen: diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Warum? Warum.

Die offizielle Webseite des Festivals

2 Antworten zu “Diagonale 2011 (Graz, 22.-27. März): „Do we need to have an accident?“”

  1. Martin Beck sagt:

    Futtern tut man vor allem bei Filmen, die ohne Futtern einfach zu langweilig wären.

    Kein Wunder, dass die Kinos inzwischen einen satten Prozentsatz ihres Umsatzes mit dem ganzen Schlabberkram machen.

  2. Günter M. sagt:

    „Das Kino als Ort des sozialen Zusammentreffens wird für mich persönlich immer mehr zu einer Kampfzone. Egal ob Cineplex oder Programmkino oder gar Cinemathek: Da wird gegessen, geknistert, gehustet, gequasselt und telefoniert, gerangelt und getreten. Alles während einer Vorstellung, wohlgemerkt! Die Zeiten des Kinos als dunkler Ort, wo man sich von einem Film umarmt fühlen kann, versinkend im Dunkeln und in der Stille, um sich für einige Zeit in eine andere Welt entführen zu lassen: diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Warum? Warum.“

    Sehr schön, treffend, und mit spürbarer Wehmut formuliert. Sollte ich aufgrund irgendwelcher mysteriöser Umstände einmal Kinobesitzer werden, meine allererste Aktion wäre: keine verdammten Fressalien im Kinosaal! Muss man Kinder wirklich dahingehend konditionieren, dass Filme schauen ohne gleichzeitig ordentlich zu futtern ein „no go“ ist? Absolut ätzend! Und dabei habe ich die Begleitumstände (schmatzen, rascheln, das Essen rund um sich herum gleichmäßig verteilen) noch gar nicht erwähnt. Ekelhaft.

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Autor:
Claudia Siefen



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