best business loans SBA Loans Small Business Loans Short Term Loads Big Lines of Creditbusiness loans Long Term Loans Working Capital Equipment Financing Merchant Cash Advances

Death Scenes 1-3: Kritik

Death ScenesRegie: Nick Bougas, F.B. Vincenzo, Tom Lavagnino
Kommentare: Harold Wells, Anton Szandor Lavey
USA/1989,1992,1993

Todesdokumentationen und Mondofilme besitzen einen ganz besonderen Reiz. Ihr Unterhaltungswert ist trotz ihrer moralischen Verwerflichkeit unumstritten, und die Tatsache, dass es sich um Filmmaterial handelt, auf welchem alle Toten (angeblich) echt sind, machen diese Art von Exploitation in Reinkultur sehens- und sammelnswert. Riesig und unüberschaubar ist der Markt geworden, gleicht jenen Dschungeln, in denen mutmaßliche „Wilde“ ihresgleichen verspeisen oder mal eben ihre auch sonst so unappetitlichen Ess- und Lebensgewohnheiten zur Freude aller zur Schau stellen. Und wer früher den Werbetext auf einer Videohülle für bare Münze nahm, glaubte mit Sicherheit auch noch an den Osterhasen. Mit der in der Tat bedrückenden DEATH SCENES-Reihe jedoch kommt eine Shockumentary daher, die es wahrhaft in sich hat.

Aus dem kreativen Umfeld der „Church of Satan“ (die man eher nicht so ernst nehmen sollte) stammend und mit Unterstützung des renommierten Kleinverlages Feral House (und dessen Gründer Adam Parfrey, dem Autor u.a. von APOCALYPSE CULTURE 1 & 2) herausgebracht, bieten die bislang drei Episoden ausnahmslos authentisches Archivmaterial und zeigen die Menschheit bei ihrer Lieblingsbeschäftigung: sich gegenseitig mit aller Gewalt fertigzumachen. Das Aneinandermontieren von Grausamkeiten ist hier, anders als beispielsweise in der FACES OF DEATH-Reihe, einer nihilistischen und kulturpessimistischen Zweckgebundenheit unterworfen. Information overload statt beschämtes Wegsehen. Ein passendes Zitat: „Der Konflikt im Iran ist schlimmer als der Holocaust, weil die Weltöffentlichkeit darüber Bescheid weiß und nichts dagegen unternimmt“, so der jüdischstämmige Publizist Henryk M. Broder.

Längst liefern Internetportale authentischere Nachrichten als die Tagesmedien. Die DEATH SCENES-Reihe ist eine Art Konzentrat daraus; ein im Wortsinn roter Faden durch die jüngste Geschichte der Gegenwartskultur. Hier werden etwa Kriegsverbrechen als historische Tatsache und mit einer tieferen Logik, von allen Seiten der einstigen Todfeinde begangen, in eine schlüssige, chronologische Reihenfolge gebracht. Jugendliche in amerikanischen Großstadtghettos schießen sich scheinbar aus Langeweile gegenseitig über den Haufen, die politisch korrekte Meinungslobby verweist als Reaktion auf deren schwierigen sozialen Stand. Mord und Totschlag aus Eifersucht und Habgier. Sexuelle Deviation in Verbindung mit Vergewaltigung und Serienmord.

Dieser Zweck einer zumindest halbwegs philosophischen Aufarbeitung der Annahme, wozu Menschen fähig sind, lassen die Filme nur bedingt spekulativ und sensationsgierig erscheinen, eher bringen sie ein landläufiges, bequemes Weltbild zum Einsturz: Dass die Menschheit grundsätzlich in „gute“ und „böse“ Vertreter der Spezies, in „Schuldige“ und „Rechtschaffene“ einzuteilen wäre, in „Täter“ und „Opfer“. Bei näherer Prüfung hingegen verschwimmen die Grenzen, sie büßen ihren Sinn und ihre Symbolik ein im Angesicht einer unaufhaltsam wachsenden Weltbevölkerung und dem daraus resultierenden Platzmangel, verlieren offenbar ihre Berechtigung im gegenseitigen Kampf um Lebensraum und Nahrung.

Alle Bilder, ob alt oder neu, gleichen sich. Massenerschießungen von sowjetischen Zivilisten durch die Waffen-SS werden parallelgeschnitten mit aktuellen Bildern aus aktuellen Krisengebieten, zum Beispiel Tschetschenien. Dort werden aufständische kaukasische Rebellen von russischen Soldaten nachts aus ihren Häusern auf die Straße gezogen, dann schneidet man ihnen, so berichten die Angehörigen, bei lebendigem Leibe den Kopf ab. Der TV-Sender arte hat das gezeigt, off-screen, anläßlich eines Themenabends über Leo Tolstoi. DEATH SCENES liefert die fehlenden Bilddokumente zu fast all diesen unfassbaren Grausamkeiten. Dass ein Volk sich auch gegen seine eigenen Unterdrücker zur Wehr setzen kann, beweisen die eindrucksvollen Amateuraufnahmen aus Rumänien anläßlich des Putsches gegen Nicolau Ceaucescu. Was die Medien damals meist nicht zu zeigen wagten, können wir nun in akzeptabler Qualiät, untertitelt und in Farbe nachempfinden, immer und immer wieder.

Ein Höhepunkt dürfte der live gefilmte Suizid eines amerikanischen Staatsbeamten sein, der damit einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Veruntreuung entgangen ist. Budd Dwyer, Schatzmeister des Staates Pennsylvania, hat angeblich Schmiergelder in Höhe von 300.000 US Dollar empfangen und sollte dafür 55 Jahre hinter Gitter. Einen Tag vor der terminierten Gerichtsverhandlung versammelte er Journalisten zu einer vermeintlichen Pressekonferenz, zog plötzlich eine Waffe aus einem braunen Briefkuvert und schoss sich damit vor laufender Kamera in den Mund. Katharsis, minutenlang. Des Weiteren gibt es grauenerregendes Material zu den Tate-/ La Bianca-Morden der Manson-Family im August 1969 zu sehen, sowie einen Umriss des zur Entstehungszeit des Filmes aktuellen Kriminalfalles um den schwulen Serienmörder und Kannibalen Jeffrey Dahmer.

Teil 3 (Untertitel: LOS ANGELES) kommt vergleichsweise harmlos daher, kommentiert doch der frühere Polizeifotograf und Gründer der „Church of Satan“, Anton Lavey, hier ausnahmslos historisches Fotomaterial zu wahren Verbrechen, die sich vornehmlich in den ersten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zugetragen haben und nicht selten von rivalisierenden Banden meist italoamerikanischer Syndikate begangen wurden. Quelle ist das schier unendliche Privatarchiv eines ehemaligen Kriminalbeamten, der Hunderte von Tatortfotos in Alben klebte und sammelte, wie andere das mit ihren Familienfotos machen. Untermalt wird Teil 3 übrigens mit Musik aus der Feder von Bobby Beausoleil, welche dieser einst für Kenneth Angers Film LUCIFER RISING komponierte.

Alles in allem ist diese Dokumentarfilmreihe eine hervorragende und wichtige Ergänzung zu den Büchern Adam Parfreys, der zu den Filmen einen Teil seiner unglaublichen Sammlung beigesteuert hat. Auf Grund der deprimierenden, ernüchternden Wirkung, die sich beim Genuss der drei Filme einstellen kann, ist von einer Wertung abzusehen und soll auch keine Empfehlung ausgesprochen werden.

Feral House – die offizielle Webseite
Alle drei Filme sind bei Amazon.com erhältlich.

Hinterlasse eine Antwort

Autor:
Florian Resch



Neueste Kommentare:
"Heul doch. Und: Danke, ist ausgebessert...."
Bei: Noch eine Liste - die besten Filme 2013
""erste Mal in der Filmgeschichte, das ei..."
Bei: Noch eine Liste - die besten Filme 2013
"Der erste war definitiv der coolere… der..."
Bei: The Expendables 3 – der erste Teaser
"Dem kann ich nur eines hinzufügen: Das s..."
Bei: The Expendables 3 – der erste Teaser
"Der erste Teil war jetzt nich so der Ham..."
Bei: The Expendables 3 – der erste Teaser