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Daughters of Darkness: BD-Kritik und Interview

Daughters of darknessRegie: Harry Kümel
Darsteller: Delphine Seyrig, John Karlen, Andrea Rau
BEL,F,D/1971; Start 1.3.2011 (USA/BD)

Ein kleiner Seventies-Horrorfilm über die Blutgräfin Elisabeth Bathory, der sich auch auf Blu-Ray als ganz großes Kino präsentiert.

Anfang der siebziger Jahre plant der belgische Regisseur Harry Kümel einen Horrorgenrebeitrag, da sein Herzensprojekt MALPERTUIS zu diesem Zeitpunkt nicht finanzierbar ist. Ein kleiner Film über die ungarische Blutgräfin Elisabeth Bathory soll Erfolg an den Kinokassen bringen. Doch trotz der Einschätzung Kümels, mit DAUGHTERS OF DARKNESS reinen Trash produziert zu haben, entkommt der künstlerisch ambitionierte Regisseur größeren Themen nicht: sexuelle Ambivalenz, Menschen hinter Masken, irreale Ereignisse im Rahmen einer scheinbar glatten Realität und eine sich immer weiter wiederholende Vergangenheit, die die Gegenwart zum Kampf zwischen Erinnerung und Fortschritt werden lässt.

DAUGHTERS OF DARKNESS handelt von der Gräfin Bathory, die am Ende einer langen Reise ein verlassenes Hotel im belgischen Küstenort Ostende erreicht. Hier warten bereits ein junges Paar auf Hochzeitsreise und der gealterte Conférencier auf das, was kommen wird: Eine Gestalt aus der Vergangenheit, die rastlos nach Erlösung sucht, steinalt hinter ihrer, durch das Blut junger Mädchen verjüngten, strahlenden Fassade.

Ambivalenz kriecht in DAUGHTERS OF DARKNESS auch durch die äußere Form, bewegt sich zwischen Bildern hindurch, die mit starken Kontrasten und den primären Farben Rot, Schwarz und Weiß einerseits den comichaften Stil der Pop-Art beschwören, andererseits aber auch auf die Symbole des Bösen an sich, etwa die Farben der Nazis –schwarze Swastika in weißem Kreis auf rotem Grund-, Bezug nehmen. Auch LETZTES JAHR IN MARIENBAD zitiert Harry Kümel genüsslich, nicht zuletzt durch den Einsatz der Schauspielerin und MARIENBAD-Hauptdarstellerin Delphine Seyrig als vampirischer Gräfin. Camp und Kunst treffen sich an einer imaginären Front und auch sexuelle Grenzgänge sind an der Tages- oder besser Nachtordnung.

Daughters of darkness

Der lesbische Vampir steht im Zentrum der Gender-Gedanken von DAUGHTERS OF DARKNESS. Denn nicht nur reist Elisabeth Bathory mit einer Frau, auch die weibliche Hälfte des jungen Hochzeitspaares spürt von Anfang an eine starke Attraktion in Richtung der schönen Gräfin. Doch die sexuellen Grenzen und Konventionen verschwimmen noch an anderer Stelle: Die „Mutter“ des Ehemanns entpuppt sich als alternder Homosexueller, und der junge Gemahl ist sich seiner Rolle zwischen zärtlichem Liebhaber und gewalttätigem Sadisten nicht sicher. Die Hochzeitsreise als Übergangszeit, als Periode der finalen Bindung der Frau an den Mann, eröffnet kurz vor ihrem Ende neue Möglichkeiten, Unentschlossenheiten und Verwirrungen. Ein Reifeprozess mit unterschiedlichsten, parallelen Fluchtpunkten entspinnt sich auf der Leinwand, die Auflösung zeigt schließlich nur einen Neubeginn des immer gleichen mäandrierenden Prozesses: Der Vampirwerdung der Welt, der sich immer wiederholenden gleichen Geschichte, der Genese des Bösen in einer subjektiven Realität, die von Fantasmen durchbrochen in sich schlüssig scheint und sich doch an der vermeintlich objektiven Realität des Rezipienten reibt.

Kein Wunder also, dass DAUGHTERS OF DARKNESS beim Publikum zunächst zwar deutlich erfolgreicher als Kümels Erstling MONSIEUR HAWARDEN abschnitt, aber doch auf Dauer zum Geheimtipp mutierte. Erst in Zeiten des Internets hat sich diese Perle auf DVD ein breiteres Publikum erspielt. Und die Blu-Ray bringt hoffentlich noch ein paar mehr Fans für dieses einzigartige Werk.

Harry Kümel

Harry Kümel

Im folgenden Interview erklärte Harry Kümel Reihe Sieben, wie es zu der neuen Fassung kam:

Herr Kümel, wie waren Sie als Regisseur des Films in die Produktion der DAUGHTERS OF DARKNESS Blu-Ray von Blue Underground involviert?
Wir haben im Jahr 2010 in Paris eine neue Kopie für den europäischen Markt hergestellt, nachdem wir nach vielen Jahren endlich die Rechte an dem Film komplett zurückgekauft hatten. Das war eine komplexe Geschichte – unter anderem mit den Nachfolgefirmen der deutschen Co-Produzenten. Wir haben zunächst eine perfekte Version vom originalen Master gezogen. Dann wurden die Farben angepasst, ohne das Original zu verfälschen. Beispielsweise haben wir die nächtlichen Szenen optisch angeglichen, die ursprünglich recht unterschiedlich aussahen. Und hatten dann eine tolle Version. Das kam dann zusammen mit Blue Underground, die vor etwa 5 Jahren eine HD-Fassung gemacht hatten, die sich in den USA auf DVD sehr gut verkaufte. Eines Tages kontaktierte mich Bill Lustig, der Chef von Blue Underground, und fragte, ob er das neue Master haben könne, das wir in Frankreich angefertigt hatten. Das ist jetzt also die Basis für die Blu-Ray und ich hatte die volle Kontrolle.

Sie sind mit der Blu-Ray also zufrieden?
Oh ja. Die ist so perfekt, wie wir sie machen konnten. Natürlich muss man immer im Auge behalten, dass es sich um einen alten Film handelt. Aber die Fassung ist besser, als alles, was es vorher gab. Sie ist sogar besser als die Kinofassung – unter anderem wegen der oben erwähnten Farbanpassungen, für die wir in der analogen Ära nicht die Mittel hatten. Was ich vor langer Zeit geplant habe, das konnte ich jetzt umsetzen. Etwas schwächer ist der Ton, aber das sind eben die Monoaufnahmen aus dieser Zeit. Da konnte man nicht mehr viel machen.

Daughters of darkness

Sie sagten, das Master war eigentlich für den europäischen Markt gedacht. Wird es auch hier weitere Auswertungen geben?
Ja, es gibt in England bereits die zugehörige DVD, die 2010 erschienen ist. Auch nach Frankreich und Deutschland wurde der Film schon verkauft. Ich habe einen guten Verkäufer in Paris, der sich darum kümmert. Auch auf ARTE wurde der Film ausgestrahlt.

Es wird also auch eine deutsche Blu-Ray geben?
Davon gehe ich aus. Es ist ein erfolgreicher Film, der viele Fans hat – vor allem Leute, die sich im Internet zu Filmthemen organisieren.

Auf der Blu-Ray gibt es auch einen Audiokommentar von Ihnen. Ist das auch eine neue Fassung?
Nein, es handelt sich um den gleichen Kommentar, der bereits auf der US-DVD von Blue Underground war. Auch das sonstige Bonusmaterial wurde 1:1 übertragen. Die Blu-Ray unterscheidet sich vor allem durch das neue Master von der DVD. Aber das ist natürlich ein entscheidender Unterschied!

Daughters of darkness

DAUGHTERS OF DARKNESS wird 2011 40 Jahre alt.
Mein Gott, so lange ist das her. Ja, das stimmt. Das ist auch für viele Rezensenten, gerade in den USA, ein Aufhänger, über DAUGHTERS OF DARKNESS zu schreiben. Es gab natürlich in diesen 40 Jahren eine große Entwicklung. 1971 war das ein kleiner Film, für wenig Geld gemacht. Aber er hat eine spannende Kombination aus billigem Horror und Intellektualismus, der ihn irgendwie zeitlos macht. Jede Generation entdeckt DAUGHTERS OF DARKNESS neu. Man sieht dem Film das Alter nicht an. Das war aber auch immer so geplant. Es gibt aus der Zeit nur wenige Filme, die die gleiche Zeitlosigkeit haben; mir fällt da beispielsweise LACOMBE LUCIEN von Louis Malle ein, der überhaupt nicht gealtert ist. Andere europäische Filme sind sehr gealtert. Vor allem intellektuelle Filme oder sozialkritische Filme. Aber solche Filme finde ich auch doof. Sie nehmen sich zu wichtig. Ich glaube nicht, dass ein Film die Welt verändern kann. Mein Film MALPERTUIS ist übrigens auch so ein Film, der kaum älter geworden ist. Und er ist ja fast so alt wie DAUGHTERS OF DARKNESS.

Wie sieht es denn mit einer Blu-Ray von MALPERTUIS aus?
Nun, es gibt eine definitive Version von MALPERTUIS vom belgischen Filmarchiv. Die ist eigentlich definitiv. Eigentlich kann man die nur mit einer Blu-Ray-Fassung verbessern. Aber das Master ist perfekt, da braucht man keine neue Fassung mehr.

Daughters of darkness

Welche Rolle spielt das Internet heute für die Rezeption Ihrer Filme?
Das ist enorm wichtig! Selbst wenn ich ins Schwimmbad komme, sagen die Leute, dass sie meine Filme stückchenweise auf YouTube gesehen haben. Das macht heute die Reputation eines Filmemachers. Es ist toll, dass wir das heute haben. Auch gibt es die Möglichkeit, die Filme, die irgendwo auf der Welt erschienen sind, bei Amazon zu kaufen. Das Problem von PAL und NTSC ist quasi verschwunden. Das ist schon fantastisch.

Die Blu-Ray (USA): (Bestellen bei Amazon.com)
Fans von DAUGHTERS OF DARKNESS werde jauchzen. So gut sah dieser Ausnahmefilm noch nie aus. Natürlich ist der Sound etwas schwach, aber das kann man gut verschmerzen. Die üppigen und exzellenten Extras umfassen zwei Audiokommentare, Interviews, Trailer und einen kompletten Bonusfilm: THE BLOOD SPATTERED BRIDE!




2 Antworten zu “Daughters of Darkness: BD-Kritik und Interview”

  1. Björn Eichstädt sagt:

    @Sylvio danke. Wenn ich nur mehr Zeit hätte für sowas…

  2. Sylvio sagt:

    Sehr schön geschrieben und das Interview bezüglich der BD finde ich auch klasse. Bravo!

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Autor:
Björn Eichstädt



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