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Das verborgene Gesicht – Kinokritik

Regie: Andrés Baiz
Darsteller: Martina García, Quim Gutierréz, Clara Largo
ESP,COL/ 2011

„Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“ (Immanuel Kant, Kategorischer Imperativ)

Mit DAS VERBORGENE GESICHT errang das Regie-/Autorenduo Andrés Baiz und Stewart St. John die Meisterleistung, aus einem an sich dünnen Handlungsfaden eine herausragende und eindringliche Parabel über menschliches Fehlverhalten zu weben. Die Pfade des Psychothrillers bald verlassend, offenbart der Film seine wahre Natur als eine Art Spiegelbild moderner Beziehungsgeflechte. Er erreicht sein Ziel mit einer bemerkenswerten Anhäufung von Symbolen und Metaphern und nutzt die genreüblichen Motive von Beklemmung und Isolation geschickt, um ungehemmt in die intime Gefühls- und Gedankenwelt anderer einzudringen.

Adrián (Quim Gutierréz), etwa Anfang 30, ist Dirigent. Sein außergewöhnliches Talent verschafft ihm ein einjähriges Engagement bei den Philharmonikern in Bogotá, weshalb er mit seiner Freundin Belén (Martina García) von Spanien aus dorthin aufbricht. Die beiden mieten ein luxuriöses Anwesen auf dem Land, das zuvor einem deutschen Ehepaar gehörte, welches Deutschland aus gewissen Gründen nach 1945 verlassen und in Lateinamerika eine neue Existenz aufbauen musste. Das Leben des wohlhabenden Berufsmusikers und seiner anmutigen Partnerin könnte glücklicher und zufriedener nicht sein, als Belén plötzlich Wind davon bekommt, dass Adrián sich offenbar sehr zu einer Violinistin des Ensembles hingezogen fühlt. Es folgt eine kurze Aussprache, die außer Beléns Bekundung von Verlustangst und entgegneter Beschwichtigung keine neuen Perspektiven setzt. Belén, die sich noch einmal mit Emma (Alexandra Stewart), der Witwe des verstorbenen Hauseigentümers, trifft und ihr das Herz ausschüttet, schmiedet daher einen Plan, um das ernsthafte Interesse ihres Mannes an der gemeinsamen Beziehung auf die Probe zu stellen. Sie erstellt während seiner Abwesenheit ein vermeintliches Abschiedsvideo und packt ihre Sachen; jedoch nicht, um Adrián tatsächlich zu verlassen, sondern lediglich um ihn heimlich zu beobachten. Sie wird Zeugin, wie Adrián am Verlust seiner Lebensgefährtin beinahe zerbricht, der sonst souverän wirkende Künstler offenbart auf einmal die weichen, verletzlichen Stellen seiner Seele, er weint tagelang und versucht, seinen Kummer im Alkohol zu ertränken. Was zunächst wie ein voyeuristisches Versteckspiel aussieht, durch welches sie seine intimsten Gefühle ausspionieren will, entwickelt sich schnell zu einer aussichtlosen, ja tödlichen Falle für Belén…

Es ist davon abzuraten, sich vorab die internationalen Trailer zu DAS VERBORGENE GESICHT anzusehen, die schon vieles verraten und vorwegnehmen, was im Film eine Entwicklung über beinahe die Hälfte der Laufzeit beansprucht. Erstaunlich, wie der Film es schafft, in gänzlich unprätentiöser Weise die allzu menschlichen Fehler im Umgang miteinander und in leisen Tönen darzubieten, die Wunden offenzulegen. Dabei ist keine der porträtierten Personen etwa als empathie- und erst recht nicht rücksichtslos einzuordnen. Auch findet hier kein Racheakt statt, wie er in ALEXANDRA’S PROJECT zelebriert wird. Nein, es sind eher die kleinen Dummheiten, die man sich leistet, die in ihrer Summe eine Katastrophe verursachen. Wie der sprichwörtliche Esel, der den Gang aufs Glatteis riskiert, wenn er sich in seiner Rolle mit allzu großer Selbstsicherheit ausgestattet fühlt, spielt Adrián mit seiner zweifellosen Attraktivität und seinem unaufdringlichen Intellekt, wovon sich andere Frauen natürlich angezogen fühlen. Was ihm ein harmloser, unverbindlicher Flirt ohne Folgen ist, bedeutet für Belén den Vorboten für einen bevorstehenden Vertrauensbruch. Anstatt ihre Angst ernstzunehmen, leistet sich Adrián einen weiteren Fehltritt, der Belén zu jener Verzweiflungstat veranlasst, die zwar sicherlich alles andere als gerechtfertigt ist (weil damit ein schweres Fehlverhalten durch ein weiteres, ebenso schlimmes ja nicht abgegolten werden kann), für sie in diesem Augenblick jedoch ein legitimes Mittel darstellt, sich seiner Gefühle für sie bewusst zu werden.

Wie eingangs bereits vorweggenommen, hält Baiz‘ Film eine ganze Collage aus Metaphern bereit, mit welchen das völlige Eindringen in die persönlichsten Emotionen des Partners verdeutlicht werden. Die Vorfälle, die zunächst zu Beléns Verzweiflungstat führten, könnten hierfür kaum als berechtigt betrachtet werden, dennoch zeugen bereits sie von einem leichtsinnigen Mangel an Einfühlvermögen für das Gegenüber. Sie regen auch das Publikum dazu an, über eigenes Verhalten nachzudenken und sich selbst aus dem Blickwinkel anderer zu betrachten. Auch sind es jene Momente, in denen beispielsweise ein Schlüssel, statt damit ein Schloß zu öffnen, wie ein billiges Schmuckstück um den Hals getragen wird, die den Film davor bewahren, in die Abgründe des Kitsch hinabzugleiten: Für die Entwicklung der Handlung wurden mitnichten schnulzige Dialoge konstruiert, sondern die symbolhaften Handlungen werden meist völlig lautlos und in fast nebensächlicher Selbstverständlichkeit und damit so überzeugend wie nur selten begangen.

Regisseur Andrés Baiz war zuvor für zwei weitere Spielfilme und eine Reihe von Kurzfilmen in Erscheinung getreten, die spätestens nach DAS VERBORGENE GESICHT nach einer Sichtung verlangen. Es bleibt zu wünschen, dass der junge Filmemacher (Jahrgang 1975) sich seine frische und unverstellte Natur auch für künftige Projekte bewahren wird. Wie schon bei Alejandro Amenábar der Fall, könnte es auch Baiz gelingen, mit weiteren genre-unabhängigen Arbeiten die Türe aufzustoßen für ein neues, innovatives europäisches Kino, auf das man zurecht gespannt sein darf.



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Autor:
Florian Resch



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