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Adachi Masao: Portrait und Interview zu The Prisoner

Adachi MasaoDer Regisseur Adachi Masao wurde 1939 in Japan, Fukuoka geboren und gilt mit seinen Kollegen wie Oshima Nagisa, Watanabe Fumio und Wakamatsu Koji als Begründer der linksgerichteten japanischen Art Theater Guild. In den 60ern und 70ern arbeitete er als Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur; sie unterstützten sich gegenseitig in ihrem linksradikalen Ehrgeiz, es entstanden Filme wie Wakamatsus VIOLATED ANGELS (1967), Oshimas DEATH BY HANGING (1968) und A.K.A. SERIALKILLER, eine reine Aneinanderreihung von Landschaftsaufnahmen, die der damals 19jährige Serienkiller Nagayama Norio in seiner Kindheit bis zur Tatzeit um sich gehabt haben muß; der Versuch, ein Täterprofil zu erstellen mit der Überzeugung, dass die ihn umgebende Landschaft einen Menschen für das Leben prägt und sich in seinem Denken und Handeln wiederfindet.

Adachi sieht sich als „filmmaker activist“, dass der Filmemacher zur politischen Stellungnahme geradezu gezwungen ist. Mit dem Genre des „pink eiga“ (auf dem ersten Blick gewaltverherrlichende Erotikfilme, die den Menschen durchaus realistisch als sexuell getriebenes Wesen definieren) stieß Adachi in seiner harten Konsequenz der Darstellung auf nicht minder aggressiven Wiederstand, meist von Seiten der Frauenbewegung, die in seinen Filmen die Frau nicht als eigentliche „Machtinhaber“ sehen konnten und wollten.

1971 drehte er in Beirut PFLP: DECLARATION OF WAR, um schließlich dort zu bleiben und die Japanische Rote Arme zu unterstützen. Das Filmemachen gab er nicht auf, leider ist kein Material aus dieser Zeit erhalten geblieben. In Jordanien verbüßte Adachi eine längere Haftstrafe, wurde schließlich an Japan ausgeliefert und verbüßte in Japan 2001 eine 18monatige Haftstrafe aufgrund des Besitzes gefälschter Ausweispapiere.

Von der japanischen Regierung wird er mittlerweile als „ungefährlich“ eingestuft und lebt heute mit seiner libanesischen Ehefrau und Kind in Tokyo.

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The prisonerTHE PRISONER
Regie: Adachi Masao
Darsteller: Taguchi Tomorow, Kajiwara Yoji, Yamamoto Hiroshi
J/2006

Adachi will in seinem Film keine Erklärungen oder gar eine Heldenverehrung abgeben, sein Script zu TERORISUTO beschäftigt sich mit Sinn und Unsinn einer Haftstrafe generell, der Aufteilung von Machtverhältnissen in einem völlig eigenen Kosmos wie dem der staatlichen Institution „Haftanstalt“. Diese wieder von den Medien als „aktuell“ entdeckte Fragestellung führt ADACHI weiter, fragt nach einem politischen Bewußtsein und vor allem der politischen Verantwortung eines jeden Bürgers und wie schwierig es sein kann, diese Fragen für sich selbst befriedigend zu beantworten.

Der Terrorist „M“ wird also nach einem mißglückten Selbstmordattentat gefangen genommen und erlebt nun die Zeit der Haft; die vergehende Zeit streift ihn durch Tagträume, reale Folterungen und Erklärungsversuche seine Tat betreffend. Die Erklärungen lösen sich auf, bis er begreift, dass er selbst derjenige ist, dem er sein Verhalten erklären muss. Die Gestalten um ihn herum, Mitgefangene, Wärter und herbeigeträumte historische Figuren sowie auch geliebte Menschen in ihrem maskenhaften Verhalten und in ihrer Brutalität erleichtern ihm gar diese Erkenntnis. Der Aufruf, Verantwortung zu tragen, die Wege der eigenen Kommunikation genau zu überdenken und schließlich, was es bedeuten kann, lebendig zu sein. Zu Ende ist erst alles mit dem eigenen Tod.

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Das Interview, geführt in Kujo, Osaka/ März 2007:

Zur Finanzierung des Filmes wurde eigens ein Verein gegründet. Was kannst du allgemein zu den Produktionsbedingungen sagen?
Adachi MasaoWir haben in einem Studio gedreht, das gesamte Set war in diesem Gebäude. Mein Art-director wollte in einem „echten“ Gefängnis drehen, aber ich… Du weißt sicher, dass ich für eine gewisse Zeit im Gefängnis war und ich wollte nicht „dahin zurück“, also haben wir das gesamte Studio als „Gefängnis“ benutzt. Besonders realistisch sieht das dann eben nicht aus, das alles sieht wohl sehr abstrakt aus, obwohl ich mich sonst nicht so sehr auf die Ausstat-
tung verlasse. Es ging mir nicht darum, ein „echtes“ Gefängnis zu zeigen, bei der Kameraarbeit war das nachher von großer Bedeutung. Ein Gefängnis, ein Ort, mehr eine Idee von einem Gefängnis.

Mein Film ist kein japanischer Film. Er hat überhaupt keine Nationalität. Bei der Auswahl der Schauspieler, zum Beispiel die Gefängniswärter, sieht man japanische Schauspieler, hört die japanische Sprache, aber es ist eben kein japanischer Film. Ich kenne mich nun wirklich aus, was Gefängnisse angeht, aber ich wollte keinen typischen Gefängnisfilm machen. Das Ganze ist eine „Komposition“ zu einem Gefängnis. Ich wollte dem Film die unvermeidliche Schwere nehmen, so kam ich auch zu meiner Schauspielführung und zur Kamera, Licht und nicht zuletzt zur Vertonung. Mein Kameramann wollte nur zu gern möglichst realistische Gefängnisbilder haben, aber das wäre nicht mein Kino gewesen, so etwas brauchte ich nicht! Auf die Dialoge habe ich auch nicht besonders geachtet. Ich habe lange Zeit Dokumentarfilme gemacht, der Unterschied zur dortigen Bildarbeit im Vergleich zum Spielfilm ist schon enorm und machte mir viel Spaß. Ich wurde richtig übermütig: „Kein übliches Gefängnisdrama!“

Was gab dir den Anstoß, wieder einen Spielfilm in Japan zu machen?
Als ich nach Japan zurückkehrte, wollte Wakamatsu, dass ich wieder arbeite. Ich musste erst einmal darüber nachdenken. Ich habe schließlich dreißig Jahre japanisches Kino irgendwie verpasst! In Palästina wollte ich eigentlich nur noch Dokumentarfilme machen, und viel gearbeitet habe ich dort auch, ist leider alles verloren gegangen, nur Spielfilme haben mich nicht mehr so interessiert. Ich war zu dem Zeitpunkt einfach nur noch ein Soldat, kein Filmemacher mehr. Da gibt es auch keinen Grund mehr für mich, das zu erklären, aber so war es. Was Filmemachen angeht, hatte ich eher sehr fremdartige Gefühle, aber gleichzeitig waren hier in Japan sehr viele daran interessiert, dass ich wieder Filme mache. Eigentlich will ich die Filmemacher in Palästina, Regisseure und Kameramänner, dazu bringen, ihr eigenes Kino zu machen, Filme, die wirklich mit ihrer Geschichte zu tun haben. Das erfordert immer sehr viel Mut, wenn man so sein soll, wie man wirklich ist. Und ich hatte den Eindruck, dass ich dort etwas leisten kann. Ich als Lehrer! Ich habe in Palästina Filmemacher und Produzenten unterstützt, ihre Ideen nicht nur zu verwirklichen, sondern sie überhaupt zuzulassen. Eine Übung in mehr Selbstbewusstsein. Die jungen Filmemacher gehen zum Beispiel nach Moskau, um Film zu studieren, und wenn sie zurückkommen, wollen sie erst einmal alles mögliche organisieren, genau durchplanen. Und ich sagte immer nur: Nein, es gibt keinen Grund, zu warten! Die Zeit vergeht so schnell, und es kann immer so viel passieren. In den letzten Jahren habe ich so oft mein Equipment und mein kleines Archiv verloren, ich mußte oft umziehen, geradezu flüchten. Viel anzusammeln lohnt sich nicht, weil es jeden Tag passieren kann, dass alles auf einmal fort ist. Also, worauf wartet ihr? Wenn ihr Filme machen wollt, macht es einfach.

The prisoner

Du hast also kontinuierlich weitergearbeitet?
Ich fürchte, dass es ganz egal ist , was ich alles in meinem Leben gemacht habe, ich war immer nur ein Filmemacher. Auch wenn ich im Gefängnis war, habe ich mir doch überlegt, wie es ist, wenn ich wieder entlassen werde. Vor allem habe ich mich gefragt, welche Filme ich noch machen werde. An manchen Tagen habe ich nichts anderes gedacht. Als ich zurück in Japan war, habe ich versucht, über meine eigene Geschichte Filme zu machen. Der Film wurde mit 7 Millionen Dollar kalkuliert, das Geld aufzutreiben war sehr schwierig. Er sollte 13. MONAT heißen, mit meiner eigenen Geschichte verbunden. Es gibt diesen Monat ja nicht, das fand ich spannend: eine Geschichte außerhalb des normalen Zeitbegriffs. Zuerst wurde ein Komitee gegründet, um die 7 Millionen zu organisieren, aber das hat nicht funktioniert, Das Projekt haben wir dann erst einmal verworfen. Uns war klar: wir würden eine weniger aufwendige Produktion machen, aber ich habe so viele Ideen im Kopf, Filme, die ich unbedingt machen will. Für mich hieß das nur, ich habe so viele Ideen, wenn das eine nicht klappt, dann eben ein nächstes Projekt. Wenn es hierfür kein Geld gibt, dann eben dafür!
Was soll ’s, dann mache ich eben Dokumentarfilme. Niemand sagt mir, wie Dokumentarfilme auszusehen haben! Das kann dann alles sehr wie ein Spielfilm aussehen. (lacht)

Also war der Einstieg in Japan wieder ganz einfach?
Dreißig Jahre außerhalb des Filmgeschäftes macht dich selbst schon schwierig, die Firmen wissen nicht, wie sie mit dir umgehen sollen. Ich wußte es ja manchmal selbst nicht. Manche Menschen haben auch Angst vor dir, wenn sie etwas über deine Geschichte wissen. Das ist dumm und aber auch verständlich. Angst habe ich vor mir selbst keine. Die Menschen machen sich immer so viele Gedanken um Zeit. 30 Jahre! Das ist alles für mich wie „gestern“, also gar nichts. Das ist eine ganz einfache Antwort, vielleicht auch zu einfach für manche Leute. Wichtig ist die Auseinandersetzung. Sicher, ich arbeite auch ganz „normal“, ich schreibe ein Drehbuch, zeichne ein Storyboard und mache mir über die Position der Kamera Gedanken. Aber das wichtigste ist es, immer miteinander zu reden. So oft es nur geht diskutiere ich mit jungen Filmemachern, oder mit jedem, der auch nur ein wenig Ahnung hat vom Filmemachen. Reden ist alles. Damit kann man schon Bilder im Kopf entstehen lassen. Auch diesmal musste ich mich bei meiner Crew entschuldigen: alles was wir gedreht haben und schließlich nun die Arbeit im Schneideraum! Im Schneideraum kann einem dann eine ganz andere Geschichte begegnen. Manche sind davon nicht so begeistert, werden gar wütend. Sie haben irgendetwas gemacht, was ihnen wichtig erschien, und sie geben alles, um es im Film zu sehen. Und ich sitze dann im Schnitt und schaue mir das Material an, und dann… . Ja, manche sind wirklich sauer auf mich! Auch manche Produzenten.

Die finanzielle Lage war also eher schwierig?
Viel Geld hatte ich nicht, und es waren gerade die finanziell aufwendigen Szenen, die ich nachher herausgenommen habe. Brauchte ich einfach nicht mehr. Die Geschichte war da, und der Gegensatz „reale“ Welt und die „Abstraktion“ von all dem. Es hatte funktioniert, da brauchte ich nicht diese ausgefeilten erklärenden Szenen. Das passiert mir glaube ich oft, teuren Szenen sieht man das viele Geld immer an, und manchmal muss das alles einfach weg. Außerdem will ich keine Szene in meinem Film haben nur weil sie teuer war! Mein Produzent war davon natürlich nicht begeistert. Aber heute gibt es ja die DVDs, da kann man solche Szenen dann hinein packen und auch die Produzenten sind zufrieden.

The prisoner

Die Musik und die Vertonung hat in deiner Arbeit immer einen hohen Stellenwert. Wie kann man sich die Arbeit mit Otomo vorstellen?
Ich sagte immer: ist in Ordnung! Otomo ist recht naiv, er ist so um die 40 und ich glaube, er hat sein gesamtes Leben in der Bücherei verbracht. Er sah sich die Filme von Wakamatsu an und las mein Script. Er hatte wohl Spaß dabei und war sehr aufgeregt. Er erarbeitete eine gesamte musikalische Interpretation meines Scripts. Und natürlich das Hauptthema. Er sagte zwar immer, dass es nicht wichtig sei, was er selbst von der Musik halte. Es muss einfach nur passen. Bei den Aufnahmen im Studio habe ich erst einmal gar keinen Timecode vorgegeben, und wir haben alles ausprobiert. Ich mag experimentelle, radikale Musik, ich brauche keine Nachahmung aus den vergangenen hundert Jahren. Man wird schon sehen, was richtig ist, und Musik hat so viele Möglichkeiten. Ich brauche keine Hintergrundmusik, Musik und Handlung sind gleichwertig. Man muss sich ja eigentlich auch nach den technischen Möglichkeiten der heutigen Kinos richten, und so gab es bisher immer Ärger mit dem Toningenieur. Dem war vieles zu laut oder nicht „sauber“ genug. In meinem Film braucht es keine schönen Töne und schon gar keine schöne Musik. Aber geh‘ auf die Straße: wo gibt es schon schöne Töne? Wir benutzten zu Beginn wie üblich 24 Tonspuren, aber das war einfach zu schön!

Hier in Japan hat sich die Presse den Kopf zerbrochen, welche „message“ dein Film haben könnte.
Viele machen „schöne“ Filme mit einer „schönen“ politischen Message,also sauber und ordentlich und technisch korrekt. Das tut mir irgendwie leid. Der Mensch ist so nicht. Und im Kino soll es doch um Menschen gehen? Es geht um die Kraft des Menschen. Nach meiner Zeit im Gefängnis gab es viele Filmkritiker hier in Japan, die sich Sorgen machten, ob ich noch die Kraft hätte, eine Geschichte auf diese Art und Weise zu erzählen. Eine starke, berührende Geschichte. Aber nun sehen sie ja: es ist noch genug Kraft vorhanden. Es glauben viele, man ist nach solch einer Zeit nur noch „Gefängnis“.

Wie kamst du zu der Idee mit der roten Sträflingsuniform?
Damit habe ich sehr viel Zeit verbracht. Ich brauchte eine bestimmte Farbe, konnte sie zu dem Zeitpunkt aber nicht genau definieren. Wir haben so viel ausprobiert, Farben, Bein- und Armlängen. Aber schließlich: bei Tokyo habe ich eine Baustelle gesehen, dort trugen die Arbeiter eine bestimmte Uniform. Ich wollte keine „echte“ Uniform, die musste ich nicht noch einmal jeden Tag um mich herum haben. Aber wieder das „Gefühl“ einer Uniform.

Deine politische Vergangenheit wird gerne aufgebauscht. Wie siehst du deine Aktionen heute?
Mit dem Begriff des „Terrorismus“, wie ich ihn heute verstehe, können viele junge Leute heute nichts mehr anfangen. Gerade das junge Publikum war schon vom Titel des Filmes irritiert. Sie kannten meine alten Filme und dachten sich wohl, dass es interessant sein könnte, einen neuen Film von mir zu sehen! Deshalb habe ich meine Geschichte auch so abstrakt inszeniert. Wenn man etwas über Geschichte im historischen Sinn zu erzählen hat, entfernt man sich nur vom jungen Publikum, wenn man daraus einen historisch korrekten Film macht. Ich werde weiter so arbeiten, um die Geschichte für junge Menschen interessant zu machen. Sie wollen keine Geschichtsstunde oder wollen keine Erklärungen aus der Vergangenheit. Es geht um ihre heutige Zeit und es geht um das heutige Leben. Das ist gut, denn ich muss mich informieren, um zu wissen, wie junge Leute heute leben, wie sie ihre Umwelt wahrnehmen. Und wenn sie etwas ändern wollen, politisch, muss man die heutigen Gegebenheiten berücksichtigen. THE PRISONER ist ein sehr ruhiger und auch persönlicher Film, die nächsten werde ich anders machen. Aber es gibt keinen Grund, nostalgisch zu werden. Es gibt so vieles, über das man Filme machen kann. Das Publikum soll sich im Kino wiedererkennen. Und ich werde da sehr trickreich vorgehen!

The Prisoner

Und dann bedienen sich bei dir ja viele auch des Mythos „pink eiga“. Ist das für dich realistisch?
Eher historisch, ach ja. Meine Pink-Filme, damals war das radikal. So etwas zu zeigen hatte ganz offensichtlich einen politischen Hintergrund. Die Menschen waren deshalb geschockt, und nicht, weil es nackte Haut zu sehen gab oder weil Menschen lustvoll getötet wurden. Das, was dahinter steckte war schockierend und wurde ja auch offensichtlich wahrgenommen. Sicher, in der Zeit war es nicht üblich, sich so freizügig über Sex zu äußern. Selbst im privaten Raum kannte man das nicht. Und mit Sex konnte man noch wirklich eine Gesellschaft darstellen, die Filme waren billig und schnell produziert. Das machte es noch einfacher. Es ging nicht um den erotischen Aspekt von Sexualität, der ganzen Romantisierung, sondern Sex war gewalttätig, blutig und sollte gesellschaftliche Zusammenhänge aufzeigen.

Was lag da näher, als Sexfilme zu machen? Wakamatsu hat man ja dann irgendwann aus dem Kino gekickt, weil man es heute so nicht mehr sieht. Die Gewalt richtete sich häufig gegen Frauen, und auch, wenn die sexuelle Gewalt Männer betraf, da gab es sofort immer Ärger von den Feministinnen. Frauen muss man nicht beschützen, man muss aber die kranken Hirne wieder auf die richtigen Gleise bringen, die an solcher Gewalt gegen Frauen so großes Interesse haben und sie eventuell auch ausüben. Aber die Sexindustrie hat sich zwischenzeitlich sehr verändert, auch was die Filme angeht und niemand regt sich über solche Filme mehr auf. Ich halte es für viel gefährlicher, dass Frauen in ihrer Sexualität immer noch verschönt dargestellt werden, all das sexy Zeug. Männer dürfen Triebe haben, Frauen dürfen das immer noch nicht und werden weiterhin als sanft und schön und hübsch gezeigt. Das ist gefährlich! Aber Underground? Gibt es das noch? Seit den Mittsiebzigern ist Underground doch tot. Es geht um das große Geschäft, bei der Malerei und der Musik ist das ja auch nicht anders. Underground hat aber immer noch die Idee des Unkontrollierten. Und so lange diese Idee noch in den Köpfen steckt ist es ja ganz gut.

Und Filmemachen so einfach als „Beruf“? Mit irgendetwas muss man ja sein Geld verdienen?
Ich habe viele Filme gemacht, ohne jedes Budget. Wenn man eine Geschichte erzählen will und weiß, welche Bilder man haben will, dann braucht man nicht herum zu sitzen und auf den großen ersten Film zu warten. Mittlerweile gibt es gute Videokameras oder die kleinen Digitalen und so braucht man nicht viel Geld, um einen Film zu machen. Aber man braucht natürlich eine Geschichte. Wenn man dann davon einige Hundert gemacht hat, ja, dann macht man eben Filme, und wenn man denn unbedingt ganz viel Erfolg haben will, das kommt dann schon. An alle jungen Filmemacher: filmen, filmen, filmen! Kino ist kein Museum, Kino ist hier und jetzt. Und Geld findet sich doch immer, irgendwie.

Bei einem Thema wie in THE PRISONER, umgehst du mit deiner Darstellungsweise den Problemen einer realistischen Geschichte?
Was ist ein realistischer Film? Man hat ja immer den Ehrgeiz, etwas möglichst realistisch darzustellen. Aber darum geht es ja nicht, man muss immer ein Stück vorauslaufen und dann wieder zurück, immer wieder. Braucht man viele Sätze, um etwas zu sagen? Braucht man viele Bilder, um etwas zu zeigen? Die Realität, die bekommt man nur vom Publikum. Und eigentlich will ich nur surrealistisch sein. Mit der Freiheit, nach der alle immer rufen, ist das so eine Sache. Um wirklich nach Freiheit rufen zu können, muss man gefangen sein und wie bitte ruft man denn nach Freiheit? Man will also heraus aus diesem Gefängnis, aber die Frage sollte auch sein: wohin geht es dann? In seiner eignen kleinen Freiheit darf man sich keine Gefängnisse machen. Zeit spielt eh eine große Rolle, jeder Ort ist anders zu einer bestimmten Zeit, man selbst ist anders. Wenn man schon in einem Gefängnis ist, dann sei wenigstens frei in deinem eigenen kleinen Gefängnis. Der Wunsch nach Freiheit ist schon Freiheit genug, jetzt rede ich Unsinn! Aber ich glaube, dass Freiheit nichts zu tun hat mit einer Freiheit für Männer und einer anderen Freiheit für Frauen, es geht um die Freiheit des Menschen! Da habe ich bei manchen Diskussionen schon sehr viel herumgebrüllt: Es geht doch immer nur um die Freiheit des Menschen. Nur um die Freiheit mit sich selbst.



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Autor:
Claudia Siefen



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