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96 Minutes – Kinokritik (FFF 2012)

Regie: Aimee Lagos
Darsteller: Brittany Snow, Christian Serratos, Evan Ross
USA/2011

Zunächst eine wilde Behauptung: Die Aufgabenstellung der Filmhochschule war es, einen Spielfilm nach einer wahren Begebenheit herzustellen; dabei sollte auf eine allzu konventionelle Erzählstruktur verzichtet werden. Es hat sich ein Tumor in den Hirnen junger, amerikanischer Nachwuchsfilmemacher eingepflanzt, der ihnen stets still zuflüstert, auch noch so banale Stories möglichst arg verschachtelt und mit übereinander gestapelten Parallelhandlungen „Tarantino-esk“ zu inszenieren, um damit dem Publikum den Eindruck zu vermitteln, es mit etwas ganz Großem zu tun zu haben. Dass dieser Schuss auch nach hinten losgehen kann, beweist Aimee Lagos Spielfilmdebut 96 MINUTES, das auf dem Fantasy Filmfest ebenso deplaziert ist wie eine ganze Reihe anderer Filme, denen dort inzwischen ein Forum geboten wird.

Die Handlung, basierend auf einer tatsächlichen Begebenheit: Der pummelige, weiße Teenager Kevin (Jonathan M. Trautman) will Mitglied werden in der Gang des Schwarzen JJ, und zu diesem Zwecke mit allen Mitteln ein Initiationsritual bestehen. Er soll ein Auto klauen. Zusammen mit dem nicht ganz so schwarzen Dre (Evan Ross), der gerade einen Schulabschluß erfolgreich bestanden hat und der so etwas wie das gute Gewissen in der Gang verkörpert, begibt er sich nachts auf den Weg in ein besseres Viertel. Die günstige Gelegenheit macht die beiden zu Kidnappern zweier junger, hellhäutiger Frauen, deren Wagen sich die beiden unter den Nagel reißen wollen; es löst sich ein Schuß aus Kevins Pistole, und zusammen mit der durch einen Kopfschuß verletzten Lena (Christian Serratos) auf dem Rücksitz beginnt eine Odyssee der vier ungleichen Handlungsträger durch die Nacht. Bei einem Stopp an einer Tankstelle schießt Kevin auf den Pächter; Carley (Brittany Snow), die zweite Geisel, verletzt er zudem mit einem Streifschuß, während Lena schließlich ihrer schweren Verwundung unter einer Brücke erliegt. Carley wird von dem zufällig vorbeifahrenden Duane (David Oyelovo) aufgegriffen und in ein Krankenhaus gebracht. Zum Ende hin wird vor allem das Schicksal Dres als Mittäter in den Fokus gerückt, in dessen Gewalt und Verantwortung es gelegen hätte, das Unheil dieser Nacht abzuwenden.

Formal krankt 96 MINUTES, dessen Titel die Zeitdauer der nächtlichen Autofahrt beschreibt, an seinen unbeholfen wirkenden temporären Wechseln der Handlungsstränge. Die Geschichten der Beziehung der beiden Frauen zueinander und die der Anstrengung Kevins, als einziger Weißer einer von Schwarzen dominierten Bande beizutreten, werden in umgekehrter chronologischer Reihenfolge nebeneinander erzählt, bis sich Zeitebenen und Geschehnisse etwa in der Mitte des Films überkreuzen und von da an nur noch in konstanter Kontinuität zu Ende gebracht werden. Vielleicht das größte Manko des ganzen Films, der hiermit beweist, dass sein eingangs konzipiertes Fundament nicht die Gesamtdauer der Handlung überstehen kann, weil dafür einfach zu wenig Stoff als Unterbau vorhanden ist. Ein Zugeständnis an die Grenzen seiner Glaubwürdigkeit und seines handwerklichen Geschicks. Einziger Höhepunkt sind die beiden visuell übereinandergelagerten Pistolenschüsse, mit denen die zwei Frauen niedergestreckt werden. Diese Szene hat etwas kompositorisches und kann als gut gelungen gewertet werden.

Inhaltlich hinkt 96 MINUTES sogar hinter dem aus heutiger Sicht missglückten Sozialdrama BOYZ ‚N THE HOOD (John Singleton, 1991) her. Der hat es immerhin geschafft, eine fiktive, aber jederzeit mögliche Geschichte aus dem Lebenslauf seiner Protagonisten in einem von sozialen Schwierigkeiten geprägten Umfeld zu erzählen. Dass Aimee Lagos Film sich als eine auf Tatsachen gestützte Milieustudie verkaufen und damit an Bedeutung gewinnen will, erscheint 20 Jahre nach BOYZ… wie ein Schlag ins Gesicht eines jeden aufmerksamen Kinogängers, der sich für amerikanische Subkulturen interessiert. Es ist, als wollte man MENACE II SOCIETY (Albert & Alan Hughes, 1993) ernsthaft mit DANGEROUS MINDS (John N. Smith, 1995) vergleichen; jenem typischen neunziger-Jahre-Schrott, der sein Publikum gezielt von den Problemen der urbanen Bevölkerung Amerikas ablenken wollte.

Jeder der eingeführten Charaktere in Aimee Lagos‘ Film bleibt trotz seiner zuweilen starken Pigmentierung farblos, die Aufmerksamkeit des Drehbuchs streift allenfalls die Beteiligten, lässt aber kaum einen Blick in ihr Innerstes zu. Duane etwa, der Besitzer eines Schnellrestaurants, der vom ersten Moment an den Eindruck vermittelt, als ginge er entschieden auf Distanz zu JJs Gang, bleibt in seinen Ab- und Ansichten unerforscht. Es lässt sich nicht einmal erahnen, welche Erfahrungen er mit Gangaktivitäten in seiner Nachbarschaft hat. War er selbst je in einer Gang? Zeugt davon vielleicht das Tattoo an seinem Hals? Man hat es im Film nur mit Fremden zu tun, die nach einem Drehbuch agieren, um ihre Präsenz innerhalb der Story zu rechtfertigen. Charakterisierung: Fehlanzeige. Stattdessen die vielen klischeehaften Momente, wenn zum Beispiel Kevin von Erinnerungen an seine mißratene Kindheit heimgesucht wird, als er die Tankstelle überfällt. Oder wenn die Versuche weißer Polizisten, einen Mord im Schwarzenmilieu aufzuklären, mittelbar als latenter Rassismus verunglimpft werden. Klischees begegnen einem ebenfalls bei der Auswahl der Namen und der Porträtierung der ach so schlimmen Bandenmitglieder, wodurch ein rassistischer Unterton fast schon unter einem anderen Aspekt, nämlich dem der Voreingenommenheit, begriffen werden kann (was der Film natürlich niemals beabsichtigen würde, jedoch stellt genau das seine Leichtsinnigkeit bloß). Auch, dass die Hautfarbe des „vernünftigen Negers“, der sogar einen Schulabschluß in der Tasche hat, um einige Nuancen heller ist als die der restlichen Gangster, beweist, dass hier nur Stereotypen aus einem Katalogverzeichnis herangezogen wurden. 96 MINUTES ist ein seichter Unterhaltungsfilm, dem sein hoffnungsschwangerer True-Crime-Stempel im Ergebnis eher schadet als nützt und der zu den Akten gelegt werden kann. Auch ungesehen.



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Autor:
Florian Resch



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